VN Mi, 3.10.2001

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Schlangen und Engel

Johann Hauser bei Peithner-Lichtenfels

Feldkirch (VN-ag) Außenseiter in der Kunst, hat die Gugginger Künstlergruppe seit ihrem ersten Auftreten 1970 internationale Bekanntheit erlangt. Einer, der von der ersten Stunde an dabei war, war Johann Hauser. Seiner fantasievollen Bildwelt widmet die Feldkircher Galerie Peithner-Lichtenfels eine kleine Ausstellung.

Als authentische Zeugnisse von Menschen, die in Bereiche geschaut haben, die uns sogenannt "Gesunden" verwehrt geblieben sind, beeindrucken die Werke der Art-Brut-Künstler. Fast möchte man angesichts der bunten, fantastischen Schöpfungen vergessen, dass hinter jedem Werk ein Mensch, auf ganz besondere Weise mit seinem Schicksal verknüpft, steht. Wie das Schicksal des 1926 in Bratislava geborenen Johann Hauser, der von 1949 bis zu seinem Tod 1996 in der niederösterreichischen Landesnervenklinik Gugging gelebt hat.

Die ungelenken Blockbuchstaben, mit denen er seinen Namen auf die Blätter setzte, sind die einzigen schriftlichen Zeugnisse Hausers - Schreiben hat er nie gelernt. Animiert vom Psychologen Leo Navratil und dessen neuer Therapie hat er stattdessen zu einer Bildsprache gefunden, die es ihm als Medium des Ausdrucks ermöglichte, seinen Gefühlen und Fantasien in Form von Zeichnungen Gestalt zu verleihen. Auch wenn die Kommerzialisierung der Künstler von Gugging mitunter ebenso zum Kritikpunkt geworden ist wie die in Fachkreisen diskutierte Hospitalisierung, die eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft verhindert, und auch wenn die momentan in Feldkirch gezeigte Auswahl an Zeichnungen und Grafik von der großen Originalität und dem Erfindungsreichtum Johann Hausers nur ansatzweise zu erzählen vermag: dem unverfälschten Charme und der ungezügelten Kraft dieser Blätter kann man sich nur schwer entziehen. In den besten Momenten haben die Engel der Hauser'schen Bildschöpfungen auch schon einmal Brüste und volle Lippen, während das Auto einfach Auto und die Rakete nur Rakete ist.

Energie und Überschwang einerseits, die tiefe Niedergeschlagenheit und das zeitweise völlige Abhandenkommen von Kreativitat andererseits, kennzeichnet das manisch-depressive Krankheitsprofil Hausers und damit die beiden Pole, zwischen denen sein Schaffen oszilliert: kein anämischer Akademismus, dafür Gefühl pur in jeder Phase, Lust oder Frust, und immer eine Konfrontation mit den Tiefen der menschlichen Psyche.

Die Ausstellung "Johann Hauser - Arbeiten auf Papier" ist in der Galerie Peithner-Lichtenfels in Feldkirch bis zum 22. Oktober zu sehen, geöffnet Dienstag und Freitag, 14 bis 18.30 Uhr, Mittwoch und Donnerstag 9 bis 12, Samstag 10 bis 16 Uhr.




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