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Kunstberichte

Und wer seziert hier eigentlich?

MAK Ausstellungshalle: Unter dem Titel "Liquid Logic" zeigt Elke Krystufek eine neue Werkgruppe
Illustration
- Elke Krystufek: „Cunt-Tiki“ (im Vordergrund); „Arthistory – I've been there“ (im Hintergrund).  Foto: Frommhagen/MAK

Elke Krystufek: „Cunt-Tiki“ (im Vordergrund); „Arthistory – I've been there“ (im Hintergrund). Foto: Frommhagen/MAK

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Ein ganzes Jahr hat sich die Künstlerin mit dem Museum, seiner Geschichte, den vielen Exponaten im Depot wie den Kustoden auseinandergesetzt. Ganz im Sinne des Wiener Mythos vom Gesamtkunstwerk zeugt davon ein Gruppenfoto ausschließlich mit Kustodinnen, das jene historische Aufnahme der rein männlich agierenden Secession um 1900 kritisiert. Die Rolle der Frau am Kunstmarkt, aber auch die Benachteiligung in den Wissenschaften ist ein Themenkomplex, dem sie mit Einzelfragen zu Gehirn, Religion, Vagina und Heirat erarbeitet.

Ein weiterer ist die für Krystufeks Generation unumgängliche autobiografische Einbeziehung von Lebensräumen und Alltagsproblematik: So ist die eigene Küche als chaotisches und unappetitliches Kunstlabor nachgebaut worden und stellt sich in Konkurrenz zu Margarete Schütte-Lihotzkys Frankfurter Variante von 1926-1930.

Design und Mode

Als dritte Schiene hat Krystufek selbst Designobjekte und Mode entwickelt, die zum Teil stark an die Siebzigerjahre erinnern; dazu kommen auch reine plastische Objekte wie ein in zwei Hälften geteiltes Gehirn. Dessen linke, logische, Hälfte ist mit Lampen illuminiert, in der rechten stehen unbeleuchtet gerahmte Zitate, wohl als Zeichen für die sogenannte emotionale Intelligenz. Diese gibt der Schau den Übertitel "Liquid Logic" – offenbar im Gegensatz zur starren wissenschaftlichen Analyse. Der Untertitel spielt mit unpassenden Begriffen wie "sezieren" und "generieren."

In der Mitte der zentralen Halle steht ein weißer Zelteinbau, in dem der Film "Dr. Love on Easterisland" gezeigt wird. Ihn drehte die Künstlerin als Hommage und Aneignung der Person des holländischen Künstlers Bas Jan Ader, der mit einem Segelboot 1975 verschwand. Als "Dr. Love" kommentiert sie janusköpfig das Rätsel um das Volk der Rapa Nui auf den Osterinseln und ihre Moai-Statuen als ungenügende Leistung der Ethnologie. Die Grenzgänge von der Ratio in die Religion sind hier auch angesprochen.

Widersprüchliches

Die fiktiven, dem Exotismus verfallenen Reisen, wie sie in und durch Museen nachvollziehbar werden, hat Lisl Ponger allerdings schon vor Jahren mit Fotografien im Völkerkundemuseum inszeniert. Neu ist hier der Hinweis auf das mögliche Verschwinden von Kunst und das Vereinnahmen von Künstlern wie Bas Jan Ader durch Museen.

Doch da bleibt zumindest ein Widerspruch stehen: Trotz massiver Institutionskritik streben auch Künstlerinnen Personalen dieser Art an. Der Masochismus ist denn auch ein das Fließen behindernder Keil in diesen persönlichen Korrekturen für das MAK und seine historischen wie jetzigen Kustoden: Die angebliche Kälte der Wissenschaftler, denen die flüssige chaotische Logik abgeht, weil sie keine assoziativen Ketten, sondern strukturelle bilden, ist ein Mythos. Die früheren Geisteswissenschaften haben sich längst gewandelt, doch ist das Korrektiv, das die Künstlerinnen und Künstler derzeit der Wissenschaft entgegensetzen, wieder sehr zeitgeistig.

In der Aufstellung der gewählten Exponate von Vally Wieselthier bis Padhi Frieberger zeigt sich aber nur der Impetus der Privatsammlerin. Trotz an die Wand gehängter Bilder mit Kommentaren, die zum Teil auch direkt auf den weißen Putz gepinselt sind, ist dieser Bereich vom Generalbass aktueller Dialektik beherrscht. Die wie immer ausgezeichnet gemalten Selbstbildnisse gehen im Gebaren des erweiterten Kunstbegriffs unter.

Elke Krystufek

Liquid Logic

MAK

Zu sehen bis 1. April 2007

Krampfhafte Gegnerschaft.

Dienstag, 05. Dezember 2006


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