
Wien - Die Totalevakuierung des Albertina-Depots ist ins Stocken geraten. Denn die Basteihalle ist bis zur Belastbarkeitsgrenze voll mit Kunstwerken. Um die Arbeiten fortsetzen zu können (bisher wurden 70 Prozent der 950.000 Werke geborgen), müssen erst Sammlungsteile in andere Depots gebracht werden. Als erstes wird die Plakatsammlung abtransportiert - in die Nationalbibliothek. Da in der Basteihalle nicht die gleichen Sicherheitsstandards herrschen wie im Zentraldepot, hat die Cobra die Überwachung übernommen.
Die Suche nach einem großen Ersatzdepot ist mittlerweile abgeschlossen. Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder wurde in Wien fündig. Es liegt auch bereits ein Sicherheitsgutachten vor: Nach diesem müssen noch einige Adaptierungen vorgenommen werden. Danach soll das Bundesdenkmalamt eine Überprüfung vornehmen und das Okay zur Einlagerung geben. Schröder rechnet damit, dass mit dem Abtransport Ende Juli begonnen werden kann. Dieser werde sich auf vier bis fünf Wochen erstrecken; auch die Transporte werden von der Cobra bewacht. Das Angebot, die Staatsbunker in Tirol zu verwenden, lehnte Schröder aufgrund des langen Weges ab.
Nach dem neuerlichen Wassereinbruch hat Schröder für die Evakuierung die Rückendeckung von Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ). Für kommenden Dienstag wurde ein Krisengipfel mit Burghauptmann Wolfgang Beer als Bauherrn und dem Bundesdenkmalamt einberufen. Laut Schmied lägen die Fragen der Sanierung und Ursachenforschung allein beim Burghauptmann. (trenk, DER STANDARD/Printausgabe, 11./12.07.2009)