Die Talente haben es gut mit ihm gemeint. Wo andere in Formularen als Beruf etwa Angestellter angeben, würde ihm die Zeile zu kurz: Maler, Schriftsteller, Musiker, Objekterfinder, Filmemacher, Designer, Bühnenbildner. Heute wird Christian Ludwig Attersee 70 Jahre alt. Den Geburtstag feiert der Künstler, indem er um 11 Uhr in der Galerie Schloss Parz in Grieskirchen die Ausstellung „Attersee. Bilder 2000–2010“ persönlich eröffnet.
Wasser und Wetter prägen das Leben und Schaffen des am 28. August 1940 in Pressburg (heute Bratislava) Geborenen. Die Flucht vor den Kriegswirren führte die Familie nach Oberösterreich. Neben der Donau, in Aschach, wuchs Christian Ludwig auf, „da hab’ ich in so einem kleinen, schwimmenden Holzhäuschen gewohnt, das mir mein Vater gebaut hat.“
Als Siebenjähriger segelte er erstmals allein auf dem Attersee, den er später zu seinem Künstlernamen erkor. Das Spiel mit Wind und Wellen weckte auch den sportlichen Ehrgeiz und führte den Jugendlichen zu drei Staatsmeistertiteln im Segeln.
Er spielte Blockflöte, Klavier und Okarina, schrieb als Zwölfjähriger Romane und komponierte Opern. „Ich war so etwas wie ein spätes Wunderkind“, sagt Attersee, der neben der Mittelschule mit 14 am Nachmittag die Linzer Kunsthochschule besuchte, bevor er mit 16 an die Wiener Akademie für angewandte Kunst wechselte, um Bühnenbild zu studieren.
Zwischen 1963 und 1965 entstanden Attersees erste Bilderzyklen, „Wetterbilder“ und „Regenbogenanomalien“. Zu seinen Gegenstandserfindungen zählten Schamhaar-Lockenwickler ebenso wie Suppenschwamm-Löffel, damit positionierte er sich als eigenständiger Mitbestimmer der europäischen Pop-Art. Die beiden Blau, die er verinnerlicht hat, sind oberösterreichischer Natur, es sind die Farben des Attersees und des Himmels seiner Jugendzeit. 1984 vertrat er Österreich bei der Biennale in Venedig, seit 1990 lehrt er an der Universität für angewandte Kunst.
Der mit der Unermüdlichkeit einer Maschine schöpferische Mensch („Ich arbeite Tag und Nacht“), pendelt zwischen Ateliers in Wien, am Semmering, auf Mallorca. „Das Leben“, sagt er, „sollte man als Aufgabe verstehen, ihm täglich einen Sinn zu geben.“
Im persönlichen Rückblick drängt keine Reue in den Sucher: „Das hätte keinen Sinn, weil ich es sowieso nicht mehr ändern kann. Manches habe ich sehr gut gemacht, und wenn ich es etwas falsch gemacht habe, habe ich daraus gelernt.“