Auf den Spuren des Herrn Silhouette
"CUT": Das MMKK in Klagenfurt holt den Scherenschnitt aus seinem Schattendasein und zeigt zwanzig Weiterentwicklungen dieser alten Technik.
Foto © Markus Traussnig/Kleine Zeitung1 / 15 Von
17. März bis 22. Mai widmet das Museum Moderner Kunst Kärnten dem
Scherenschnitt eine Ausstellung. In den vergangenen Jahren hat dieses
Genre wieder an Relevanz gewonnen und rückt zusehend in den Fokus der
Aufmerksamkeit des Kunstbetriebes.
Das historische Mittel hat sich
von seiner herkömmlichen Erscheinungsart – als kleines,
zweidimensionales Schattenbild aus Papier – weitestgehend gelöst und
den Raum erobert.
Vor der Erfindung der Fotografie war der aus China stammende Schattenriss eine verbreitete Methode, um sich selbst und seine Lieben zu verewigen. Insbesondere Etienne de Silhouette, Finanzminister unter Ludwig XV., bevorzugte diese im Vergleich zur Ölmalerei günstige Art des Porträtierens, die einen Menschen oder Gegenstand auf das Typische reduzierte. Vom Romantiker Philipp Otto Runge zur eigenen Kunstform erhoben, haben sich später auch moderne Künstler mit dem Scherenschnitt befasst: Klee, Picasso, Matisse oder auch Kiki Kogelnik.
Eine Ausstellung, die bereits in der Kunsthalle Hamburg für Furore sorgte, zeigt nun in Klagenfurt die Weiterentwicklung des Scherenschnittes mit zeitgenössischen Mitteln. MMKK-Chefin Christine Wetzlinger-Grundnig hat dafür die internationale Schau um fünf österreichische Positionen bereichert und spannungsvoll neu in Szene gesetzt.
Totentanz & digitale Codes
Beginnend mit der US-Amerikanerin Kara Walker, die mit lebensgroßen Figuren aus schwarzem Karton und stimmungsvollen Projektionen ihre Südstaaten-Erfahrungen verarbeitete und endend mit einem "Totentanz" des Franzosen Christian Boltanski umfasst "CUT" eine Vielzahl von formalen, materiellen und inhaltlichen Ausformungen des einstigen Kunsthandwerks: vom zweidimensionalen Schattenbild über filmische Sequenzen bis hin zur raumgreifenden Installation.
Einige der Arbeiten wurden direkt vor Ort geschaffen, etwa Katharina Hinsbergs "Regen" aus orangen Linien, die aus einzelnen DIN A4-Blätter herausgeschnitten wurden, oder eine Euklid-Hommage des jungen Berliners Philip Loersch, der im MMKK neun Tage lang Nylonfäden spannte. Unweit davon zeigen die beiden Kärntnerinnen Melitta Moschik und Gudrun Kampl reizvolle Metallobjekte mit digitalen Codes bzw. Kreuzstichmotiven sowie ornamentale Tableaus aus rotem Samt. Auch Werner Hofmeister und Lisa Huber sind vertreten, Ersterer mit kunstvoll aneinandergereihten "Zeilen" aus unterschiedlichen Symbolen, die Oberkärntnerin mit reliefartigen Papierinsekten. Diesen zur Seite hat der Hamburger Rupprecht Matthies dekorative Pflanzen aus Plexiglas gestellt.
Unter den Stars der hochkarätigen Schau ist vor allem William Kentridge zu nennen. Der Südafrikaner, erst jüngst in der Albertina zu bewundern, präsentiert eine filmisch animierte Flüchtlingsprozession mit einem afrikanischen Kirchenlied als Hintergrundmusik. Neben Felix Droese, der das Medium als Erster politisierte und das älteste Exponat (von 1980) beisteuerte , hat Annette Schröter die wohl aufwendigsten Werke geschaffen. In ornamentalen Großformaten verbindet die 55-jährige Deutsche althergebrachte Scherenschnitttechniken mit heutigen Themen, etwa in der explosiven Filigranarbeit "Kawummh".
2010 konnte das Museum Moderner Kunst seine Besucherzahlen übrigens "verdoppeln" - ein Trend, den die schneidige Schau mit Sicherheit fortsetzen wird.
Fakten
"CUT". Museum Moderner Kunst Kärnten (MMKK), Burggasse 8, Klagenfurt; bis 22. Mai. Eröffnung: heute, 19 Uhr.
Nähere Infos: www.mmkk.at; Tel: (050) 536 305 42















-Anzeigen
Kommentare
Es sind noch keine Kommentare vorhanden.
Kommentar erstellen