MAK Galerie: Maria Hahnenkamp
Haut und Stoff als eine hektische Symphonie
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Bis 5. Mai sind in der MAK Galerie die teils rasch
aufeinanderfolgenden Diasequenzen der Arbeit "Transparency" von Maria
Hahnenkamp zu beobachten. Die Diapositive wurden im Zeitraum eines
Jahrzehnts gesammelt und dienten der Künstlerin bis heute als Anregung für
ihre Objekte und Zeichnungen usw. Einzel- und Doppelpojektion in einer
Reihe ergeben viele optische Segmente, in denen frühe Gemälde (Vermeer,
Rubens, Michelangelo - meist weibliche Figuren oder Ausschnitte ihrer
Körper) aus Kunstbüchern, aus Modezeitschriften, Pornoheften mit eigens
gemachten Fotografien konfrontiert werden und sich gegenüber oder
gegeneinander stellen. Dazu macht das Geräusch des Weiterdrehens und
Einklickens der Dias einen zusätzlichen Effekt der Unruhe im dunklen Raum.
Diese Geräuschsymphonie von Bilderscheinungen im nächtlichen Ambiente
lässt aber nicht die meditative Haltung eines Museums- oder Konzertbesuchs
zu. Aufnahmen von Stoffen, ihrem Fall in Falten oder gebauschte
Draperien erinnern stark an die Objekte und die interessanten Näh- und
Fotokompositionen der 1959 geborenen Künstlerin, von der derzeit auch eine
Serie in der Galerie Mayer/Kainer präsentiert wird. Das Verschmelzen von
Porträts großer Stars der letzten Jahrzehnte (Liz Taylor, Marilyn Monroe
usw.) mit Hautsequenzen oder stofflichen Oberflächen, wandelnden Models
und voyeuristischen Sequenzen aus Pornografie vollzieht sich in
verwirrender Hektik und Rhythmik und als Betrachterin muss man einen
wandelnden Standpunkt hinter der Projektorenreihe einnehmen, was daran
erinnert, dass schon bei den Römern so eine Durchbrechung unseres später
durch die verharrende Zentralperspektive fixierten Blicks üblich war.
Die Wahl der Überlappungen, Ausschnitte lässt immer noch die
feministische Botschaft durch die primär weiblichen Protagonistinnen
erkennen, aber die Spannnung ist trotz dichten Geflechts der ergänzenden
Helldunkel-Optik in den Objekten der Künstlerin immer noch weitaus höher,
da deren "Transparenz" für sich selbst spricht. Vielleicht ist auch die
Parallelität zum hektischen Straßenverkehr am Ring, von dem man ins MAK
eintritt, zu fließend - sodass der mechanisch-akustische Ablauf nicht klar
genug auf die Unterschiede zwischen intim-privatem Aspekt und
journalistisch-öffentlichem hinweist.
Erschienen am: 17.04.2002 |
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