VN Fr, 15.11.2002

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Kultur 

Augenschmaus für Kunsthungrige

"Lichtmahle" von Alfred Graf

Bregenz (VN-ag) Körnige Strukturen, sinnlich-taktil, honigfarben: nicht von ungefähr fallen Vergleiche der Bildobjekte von Alfred Graf manchmal in Richtung "Müesliriegel" aus. Diesem Umstand trägt der Vorarlberger Künstler in seinen jüngsten Arbeiten im Arthouse Bregenz mit "Lichtmahlen" Rechnung.

Und es ist ein Festmahl und ein Augenschmaus, den Alfred Graf (geboren 1958 in Feldkirch) für kunsthungrige Zeitgenossen im Arthouse angerichtet hat. Jüngste, großformatige Arbeiten zum Sattsehen deklariert Graf als "Lichtmahle" und verweist dabei neben dem Mahl explizit auf das Licht.

Von jeher wichtiger Bestandteil des Werkes wird das Spiel aus Lichtreflexen und -brechung an den Oberflächen der neuen Bildkörper durch zusätzliche Lichtquellen von hinten noch gesteigert.

Oberflächenreiz

Vorder- und Rückseite desselben Bildträgers sind gleichzeitig zu sehen, im Licht verschmelzen Material und Farbe, Wachs und Harz zu einer Komposition, die neben dem Sehsinn an Tast- und Geruchssinn gleichermaßen appelliert. Aller Sinnlichkeit die Farben, Formen und Düfte evozieren, dem Reiz der Oberfläche zum Trotz: die Arbeiten basieren auf zeitlich und räumlich ausgedehnter, wissenschaftlich-akribischer Recherche und dokumentarischer Vorgehensweise.

Die Suche nach dem Wesentlichen, nach Fundstücken, treibt den Künstler immer wieder in die Natur, lässt ihn Berge erklimmen und Flussläufe erkunden. Im seriellen Arbeiten, in langen Arbeitsschritten stellt Alfred Graf "ein Verhältnis her zwischen organischer, künstlicher und universeller Ordnung" (Beatrix Ruf). Analogien zwischen Gesetzmäßigkeiten in der Natur und der Erscheinung seiner eigenen Arbeiten inspirieren den Künstler stets aufs Neue.

Natur und Kultur

Handfester als in den Lichtmahlen fallen diese Vergleiche in Werken mit involvierten Fund- oder besser Suchstücken aus: So können Steine und Flechten (deren Strukturen wie überdimensionale, sich zu einem Bild zusammenfügende Pigmentkörner wirken) durchaus als Querverweis auf die Malerei des 20. Jahrhunderts interpretiert werden. In der geometrischen Regelmäßigkeit der Würfel kondensiert Landschaft im eingeschlossenen Material, die getrockneten, im Bienenwachs sanft erstarrten Rubinienblüten atmen einen Hauch von Sommer. Und die durch reale Funde angereicherte fotografische Dokumentation einer italienischen Pinienallee - einst als Straße der Natur abgetrotzt, jetzt stillgelegt, überwuchert und der Natur zurückgegeben - vermittelt sinnfällig zwischen Natur- und Kulturlandschaft.         

Alfred Graf spielt mit Lichtreflexen durch zusätzliche Lichtquellen.

Die Ausstellung "Lichtmahle" von Alfred Graf ist im Arthouse Bregenz bis zum 7.Dezember zu sehen, geöffnet Montag bis Freitag 14 bis 18, Samstag 10 bis 12 Uhr.




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