Bregenz
(VN-ag) Körnige Strukturen, sinnlich-taktil,
honigfarben: nicht von ungefähr fallen Vergleiche der Bildobjekte
von Alfred Graf manchmal in Richtung "Müesliriegel" aus. Diesem
Umstand trägt der Vorarlberger Künstler in seinen jüngsten Arbeiten
im Arthouse Bregenz mit "Lichtmahlen" Rechnung.
Und es ist ein Festmahl und ein Augenschmaus, den Alfred
Graf (geboren 1958 in Feldkirch) für kunsthungrige Zeitgenossen im
Arthouse angerichtet hat. Jüngste, großformatige Arbeiten zum
Sattsehen deklariert Graf als "Lichtmahle" und verweist dabei neben
dem Mahl explizit auf das Licht.
Von jeher wichtiger Bestandteil des Werkes wird das Spiel aus
Lichtreflexen und -brechung an den Oberflächen der neuen Bildkörper
durch zusätzliche Lichtquellen von hinten noch gesteigert.
Oberflächenreiz
Vorder- und Rückseite desselben Bildträgers sind
gleichzeitig zu sehen, im Licht verschmelzen Material und Farbe,
Wachs und Harz zu einer Komposition, die neben dem Sehsinn an Tast-
und Geruchssinn gleichermaßen appelliert. Aller Sinnlichkeit die
Farben, Formen und Düfte evozieren, dem Reiz der Oberfläche zum
Trotz: die Arbeiten basieren auf zeitlich und räumlich ausgedehnter,
wissenschaftlich-akribischer Recherche und dokumentarischer
Vorgehensweise.
Die Suche nach dem Wesentlichen, nach Fundstücken, treibt den
Künstler immer wieder in die Natur, lässt ihn Berge erklimmen und
Flussläufe erkunden. Im seriellen Arbeiten, in langen
Arbeitsschritten stellt Alfred Graf "ein Verhältnis her zwischen
organischer, künstlicher und universeller Ordnung" (Beatrix Ruf).
Analogien zwischen Gesetzmäßigkeiten in der Natur und der
Erscheinung seiner eigenen Arbeiten inspirieren den Künstler stets
aufs Neue.
Natur und Kultur
Handfester als in den Lichtmahlen fallen diese
Vergleiche in Werken mit involvierten Fund- oder besser Suchstücken
aus: So können Steine und Flechten (deren Strukturen wie
überdimensionale, sich zu einem Bild zusammenfügende Pigmentkörner
wirken) durchaus als Querverweis auf die Malerei des 20.
Jahrhunderts interpretiert werden. In der geometrischen
Regelmäßigkeit der Würfel kondensiert Landschaft im eingeschlossenen
Material, die getrockneten, im Bienenwachs sanft erstarrten
Rubinienblüten atmen einen Hauch von Sommer. Und die durch reale
Funde angereicherte fotografische Dokumentation einer italienischen
Pinienallee - einst als Straße der Natur abgetrotzt, jetzt
stillgelegt, überwuchert und der Natur zurückgegeben - vermittelt
sinnfällig zwischen Natur- und
Kulturlandschaft.
Alfred Graf spielt mit Lichtreflexen durch zusätzliche
Lichtquellen.
Die Ausstellung "Lichtmahle" von Alfred Graf ist im Arthouse
Bregenz bis zum 7.Dezember zu sehen, geöffnet Montag bis Freitag 14
bis 18, Samstag 10 bis 12 Uhr.