22.05.2003 17:06
Grätzel-Aufschwung mit Soho
Das
Wiener Künstler-Festival "Soho in Ottakring" feiert ab Samstag fünften
Geburtstag - mit einer Erfolgsbilanz
Seit sich die Künstler der Gegend um den Brunnenmarkt angenommen
haben, geht es mit ihr wieder bergauf.
Wien - Kunst erobert wieder öffentlichen Raum - und leer stehende Räume.
Ab Samstag präsentieren sich bereits zum fünften Mal insgesamt 180
österreichische und internationale Künstlerinnen und Künstler für 14 Tage in 14
verwaisten und 23 betriebenen Geschäftslokalen. Ein vielfältiger Lückenschluss
zu den bestehenden sieben Galerien und 17 Ateliers im Grätzel zwischen
Ottakringer und Neulerchenfelder Straße.
Denn das Festival "Soho in
Ottakring" hat die Brunnengassengegend längst zu einem Künstlerviertel mutieren
lassen - ein Aufschwung, von dem die ganze Gegend profitierte: Vor fünf Jahren
standen noch 38 Geschäfte im Grätzel leer; jetzt sind es nur noch 14. Junges,
urbanes Publikum zog in die Gegend - und der Kaufkraftindex stieg um 7,5
Prozent.
Der Relaunch
Heuer wurde die Veranstaltung von der
Initiatorin Ula Schneider gemeinsam mit Beatrix Zobl noch einmal ausgeweitet und
einem Relaunch unterzogen. Mehr denn je stehen Interventionen, interaktive und
partizipative Kunstprojekte im Mittelpunkt.
Neu ist das "public art
project", in dem soziale und politische Fragen wie auch Prozesse in der
Stadtentwicklung reflektiert werden. So werden etwa Besucher im "Extrazimmer"
von Corina Binder und Suse Mayer eingeladen, in einer Grundsteingassen-Auslage
ein Bad zu nehmen. Eine Reaktion auf die oft klägliche Wohnsituation der
Menschen, rund um den Brunnenmarkt.
Die Diskussion und Vernetzung der
Künstler - schwerpunktmäßig auch aus östlichen und südosteuropäischen
Nachbarländern - wurde bereits im Vorfeld bei der "Soho-Pretime" unterstützt.
"Welten sichten" lautet dazu der heurige Festival-Leitspruch.
Neue
Sprachwelt
Und es soll auch der Zugang zu neuen Welten eröffnet
werden. Der "Türkisch Verleih" von Kathi Hofer etwa bietet Sprachtrainings-CDs
an: Auf dass türkische Redewendungen gelernt und gleich beim nächsten Standl
ausprobiert werden können.
Dazu Veranstaltungen wie der
"TschuschInnen-Talk" oder "Reiseführungen" durch Ottakring, bei denen die
"Gründerzeit in Ottakring" erkundet oder Erinnerungen an die "Vergnügungen der
kleinen Leut'" geweckt werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.5.2003)