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04.03.2004 - Kultur&Medien / Ausstellung
Galerie In Paris: Nichts steht still im Osten der Stadt
Der Wiener Christoph Weber in der Pariser Galerie Jocelyn Wolff.

"Stagnation" heißt Webers Ausstellung - ein Widerspruch zum Ort, denn hier, im Viertel Belleville zwischen kleinbürgerlichem Charme und Nationenvielfalt, steht derzeit nichts still. Auch nicht beim gebürtigen Straßburger Jocelyn Wolff, der vor einem Jahr hier eine kleine, feine Galerie eröffnet hat. "Als das Kunstzentrum ,Plateau' hier aufmachte", sagt er, "war mir klar, dass dieses Viertel für die Kunst im Aufwind ist." Den versucht er in die Segel zu bekommen und arbeitet deshalb eng mit dem Künstler-Kurator Alexander Koch aus Berlin zusammen.

Die beiden setzen auf junge Positionen aus dem deutschsprachigen Raum. Mit viel Video und Fotografie bestärkt Wolff den Ehrgeiz, Paris möge auch Hauptstadt der Fotografie werden: Im Juni wird das renommierte Jeu de Paume in den Tuilerien zum Super-Museum für Fotografie und elektronische Bilder.

Der dreißigjährige Wiener Christoph Weber ist nach einem Studium in Leipzig bei Astrid Klein und in Wien bei Renée Green gerade aus New York zurückgekehrt: "Dort konnte ich mich ausprobieren und von den Bildern und Linien der Metropole inspirieren lassen." Diese sind Leitmotive in Webers Arbeiten, die sich mit der Räumlichkeit medialisierter Bilder und der Skulpturalität architektonischer Zeichnung befassen. So sind seine "Carbon Drawings" dreidimensionale "Zeichnungen", die er im Raum installiert oder als "Bausatz" in die Ecke stellt (1400 €): Kohlefaser-Rundstäbe, die man mit Gelenkstücken verbinden kann.

"Imaginäres" bestimmt auch Webers am Computer bearbeitete Fotografien (150 €): Hier hat er Linien der Architektur aufgenommen und ins Riesenhafte verlängert. Die unrealisierbaren Entwürfe lassen sich lesen wie ein später Kommentar zu Bruno Taut, ausgeführt mit der minimalistischen Geste eines Sol Lewitt. Keine metaphysischen Linien-Gewitter, sondern wohl durchdachte kleine Essays zur Linie und zum Raum.

Verblüffend sicher bewegen sich diese sichtbar jungen Arbeiten im Gespinst kunsthistorischer Bezüge. "Damage [*]2" ist ein "In-Wall-Drawing", eine in die Wand geschnittene Zeichnung, die Weber für Käufer ortsbezogen in deren Räumen realisiert (6000 €). In der stärksten Arbeit setzt die Geste des Künstlers Architektur in Bewegung: "Stagnation" bezeichnet im Wortursprung das Unter-Wasser-Stehen. Webers Arbeit sind die Ringe, die sich über die Architektur wie über eine Wasseroberfläche ziehen. Auch hier steht nichts still.

Bis 13. März, www.galeriewolff.com

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