Gudrun Weinzierl Interview Mit dicken Kabelsträngen verbundene Neonröhren und Lampen, die sich zur amerikanischen Flagge zusammenfügen, offenbar durch einen Unfall deformierte schwarze Leitplanken, eine Kältemaschine, die Kabel mit Eis überzieht, eine riesige schwarz glänzende Wand und ein sich über drei Räume hinziehender Spiegelparavent sind Bestandteile der neuesten Installation von Banks Violette. Sie wurde speziell für die Räume der Galerie Ropac in Salzburg geschaffen. Die SN sprachen mit Banks Violette.
Ihre Arbeit wird als "dunkel", "schwarz" empfunden, so als stecke in Ihrer Kunst ein großes Grauen. Ist sie ein Spiegel des amerikanischen Lebens? Violette: Ja, das ist sie, ein Spiegel der dunklen Seite des "american life". Ich lebe und kenne die Situation in Amerika, nicht die in Europa. Aber ich nehme an, dass in einem europäischen Staat Ähnliches wahrzunehmen wäre.
Ich verherrliche nicht das Dunkle, sondern zeige es mit ästhetischen, formalen Mitteln auf. Das kann - wie hier in Salzburg - das schwarze Glänzen einer Skulptur oder einer Fläche sein, das kann auch grelles, gleißendes, hartes Licht sein, glitzernde, vereiste Kabel, eine Spiegelwand, die sich zerstören wird.
Wie und wann wird diese Selbstzerstörung passieren? Violette: Auf das Spiegelglas in den Metallrahmen wird über Stahlstangen, Ketten und Zahnräder Druck ausgeübt. Betrieben wird das Ganze von Motoren, die hinter der Installation stehen. Wann das Glas bersten wird, weiß ich nicht, aber es wird.
Innerhalb von drei Jahren wurde Ihre künstlerische Bedeutung in den wichtigsten Museen Amerikas, in der Royal Academy in London, in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt, im Migros Museum in der Schweiz usw. gefestigt. Was sind Ihre Wurzeln? Violette: Ich komme aus Ithaca im Bundesstaat New York, habe an der Columbia Universität studiert. Meine Wurzeln sind das alltägliche Leben, das, was um uns herum passiert, was Menschen tun - öffentlich und im Privaten. Soziales Leben formt sich in vielen Subkulturen. Mich interessiert eine ganz bestimmte Art von Situation, wie ein Mensch in eine Subkultur involviert wird und ist, wie er sein Leben sieht und konstruiert. Mir geht es nicht um die Themen einer Subkultur, sondern den Zugang zu ihr, wie man sie wahrnimmt, wie sie formal auftritt. Für mich war das ganz speziell die Welt des Heavy Metal, die Musik, der Umgang mit Rebellion, Gewalt, Tod und Selbsttötung. Auch dabei geht es mir nicht um Songtexte, sondern um das Erscheinungsbild, welche Ästhetik damit verbunden ist. Wichtig ist mir, die Musik anderer in meine eigene Arbeit zu integrieren. Aber auch die alten Meister, die romantische Kunst eines Caspar David Friedrich beispielsweise, betrachte ich als meinen Hintergrund.
Tod und Suizid sind doch seit je Themen der Kunst, früh zu sterben macht in der Kunst gewissermaßen unsterblich. "Meine Kunst ist ein Spiegel für die Amoralität des Menschen"Violette: Ja, es gibt die historischen Beispiele. Wovon unser Handeln bestimmt wird, was zum Suizid führt, hat mit Goethes Werther größte Wirkung erfahren. Warum wendet man sich einer Sache zu und ordnet ihr seine persönliche Identität unter? Wie entsteht dieser klare Moment der Anziehungskraft, wann geht das aktive Entscheiden zu einem passiven Erfahren über? Was passiert, wenn reale Menschen sich in einer fiktionalen Welt mit bösen Fantasien verlieren? Das kann in einer Subkultur wie dem Heavy Metal passieren, aber genauso hier in der bildenden Kunst.
Ihre Kunst wird immer wieder als mit der New-Gothic-Bewegung verwandt kategorisiert? Violette: Mich mit Heavy Metal in Verbindung zu bringen stimmt, mit "Gothic" bin ich überhaupt nicht einverstanden, das lehne ich ab. Diese Art der Klassifizierung ist zu einfach, ein Unsinn, der durch oberflächliche, rein optische Vergleiche zu Stande kommt.
Ist Ihre Kunst politisch, ist sie gesellschaftskritisch? Violette: Sie ist ein Spiegel für die Amoralität des Menschen. Es geht um Klassen, das verwendete Vokabular ist spezifisch bestimmten Klassen zuzuordnen, das von anderen Klassen wiederum nicht verstanden wird und die Politik repräsentiert jeweils Klassen. Ja, ich verstehe meine Arbeit als politisch.Infos: Banks Violette bei Ropac; 24. November bis 19. Jänner, www.ropac.net.








