Feldkirch (VN-ag) Für ein
ungewöhnliches Projekt und eine Ausstellung, die sich in mancher
Beziehung von den vorangegangenen unterscheidet, hat Kuratorin Eva
Jakob die Türen der Johanneskirche in Feldkirch geöffnet. Seit
Donnerstag zeigt ein Gestaltungsteam rund um die Feldkircher
Künstlerin Ruth Gschwendtner-Wölfle eine Rauminstallation zum Thema
Frauen, Bilder, Bildung.
"Evas blaue Augen", so lautet der Titel der
Installation, deren Gesamtkonzept von Ruth Gschwendtner-Wölfle
stammt, ausgeführt von der Klasse 4a der BAKIP Feldkirch, von
Wolfram Schurig um eine Klangebene ergänzt. Im Zentrum der
Präsentation stehen 18 Fernseher auf Stühlen, deren blau verfremdete
Bildschirme einen willkürlichen Programmausschnitt zeigen.
Gipstorsi, kopflose Gestalten, gestrauchelt angesichts der
Bilderflut, sitzen oder liegen vor den Monitoren, während ein
einzelner Fernseher auf einer Schaukel wie ein Pendel im Kirchenraum
vor und zurück schwingt, über allem anderen stehend.
Ambivalentes Blau
Überlagert werden die Bilder von einer äußerst
avantgardistisch klingenden klanglichen Ebene, als einer
Instrumental- und Geräusch-Improvisation, die von Flöten- und
Gitarrentönen bis hin zum Rauschen eines Föns reicht.
Dazu gesellen sich kleine "Hörspiele", die sich die Schülerinnen
selbst zur Thematik der Ausstellung ausgedacht haben.
Was aber ist nun eigentlich das Thema dieser Ausstellung, die
Ruth Gschwendtner "nicht als Kunst im erwarteten Sinn" verstanden
wissen möchte? Eva steht als biblisches Zitat und als Metapher für
die Frau, Blau steht ambivalent für den Himmel und die Verführung,
für die Naivität und Blauäugigkeit, aber auch die Aggression und
Gewalterfahrung, und die Augen verweisen auf das Sehen - soviel zur
Entschlüsselung des Titels.
"Als eine in einen Raum implantierte und somit sichtbar gemachte
Auseinandersetzung mit dem Thema: Bilder, Bildung, Frau"
(Geschwendtner) geht es einerseits um die Bilder, "darum, wie Bilder
uns bilden" - gemeint sind die nie versiegenden Ströme der Fernseh-
und Computerbilder - und andererseits um die unterschiedliche
Bildungssituation, um die Benachteiligung von Frauen und Mädchen in
der sog. Dritten Welt.
Engagierte Umsetzung
An sich sind es schon starke, sehr präsente Bilder, die
in dieser Installation wirken. Allerdings wird ein bisschen viel und
weit hergeholter Inhalt hineingepackt, durch den die Bilder
gleichzeitig auch stark beschnitten werden.
Und wir schreiben das Jahr 2002: so wirkt die nicht mehr ganz
taufrische Debatte um das Medium Fernsehen, um Fluch oder Segen,
letztlich doch ein wenig blauäugig. Erfrischend ist allerdings die
engagierte Umsetzung, der begeisterte Einsatz aller Beteiligten und
das Zusammenspiel der einzelnen Kräfte, das in einer kleinen
Fotoreihe dokumentiert wird.
In diesem Sinn stellt die aktuelle Installation auch keinen Bruch
im Ausstellungsprogramm der Johanneskirche dar, sondern eine
Möglichkeit, wie junge Leute zu Wort kommen und sich mit Kunst
auseinandersetzen können.
Die Fernseh-Debatte: zwar nicht mehr ganz taufrisch,
dafür umso begeisterter umgesetzt.