VN Sa, 24.8.2002

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Kultur 

Frauen, Bilder und Bildung

Eine besondere Rauminstallation mit dem Titel "Evas blaue Augen"

Feldkirch (VN-ag) Für ein ungewöhnliches Projekt und eine Ausstellung, die sich in mancher Beziehung von den vorangegangenen unterscheidet, hat Kuratorin Eva Jakob die Türen der Johanneskirche in Feldkirch geöffnet. Seit Donnerstag zeigt ein Gestaltungsteam rund um die Feldkircher Künstlerin Ruth Gschwendtner-Wölfle eine Rauminstallation zum Thema Frauen, Bilder, Bildung.

"Evas blaue Augen", so lautet der Titel der Installation, deren Gesamtkonzept von Ruth Gschwendtner-Wölfle stammt, ausgeführt von der Klasse 4a der BAKIP Feldkirch, von Wolfram Schurig um eine Klangebene ergänzt. Im Zentrum der Präsentation stehen 18 Fernseher auf Stühlen, deren blau verfremdete Bildschirme einen willkürlichen Programmausschnitt zeigen.

Gipstorsi, kopflose Gestalten, gestrauchelt angesichts der Bilderflut, sitzen oder liegen vor den Monitoren, während ein einzelner Fernseher auf einer Schaukel wie ein Pendel im Kirchenraum vor und zurück schwingt, über allem anderen stehend.

Ambivalentes Blau

Überlagert werden die Bilder von einer äußerst avantgardistisch klingenden klanglichen Ebene, als einer Instrumental- und Geräusch-Improvisation, die von Flöten- und Gitarrentönen bis hin zum Rauschen eines Föns reicht.

Dazu gesellen sich kleine "Hörspiele", die sich die Schülerinnen selbst zur Thematik der Ausstellung ausgedacht haben.

Was aber ist nun eigentlich das Thema dieser Ausstellung, die Ruth Gschwendtner "nicht als Kunst im erwarteten Sinn" verstanden wissen möchte? Eva steht als biblisches Zitat und als Metapher für die Frau, Blau steht ambivalent für den Himmel und die Verführung, für die Naivität und Blauäugigkeit, aber auch die Aggression und Gewalterfahrung, und die Augen verweisen auf das Sehen - soviel zur Entschlüsselung des Titels.

"Als eine in einen Raum implantierte und somit sichtbar gemachte Auseinandersetzung mit dem Thema: Bilder, Bildung, Frau" (Geschwendtner) geht es einerseits um die Bilder, "darum, wie Bilder uns bilden" - gemeint sind die nie versiegenden Ströme der Fernseh- und Computerbilder - und andererseits um die unterschiedliche Bildungssituation, um die Benachteiligung von Frauen und Mädchen in der sog. Dritten Welt.    

Engagierte Umsetzung

An sich sind es schon starke, sehr präsente Bilder, die in dieser Installation wirken. Allerdings wird ein bisschen viel und weit hergeholter Inhalt hineingepackt, durch den die Bilder gleichzeitig auch stark beschnitten werden.

Und wir schreiben das Jahr 2002: so wirkt die nicht mehr ganz taufrische Debatte um das Medium Fernsehen, um Fluch oder Segen, letztlich doch ein wenig blauäugig. Erfrischend ist allerdings die engagierte Umsetzung, der begeisterte Einsatz aller Beteiligten und das Zusammenspiel der einzelnen Kräfte, das in einer kleinen Fotoreihe dokumentiert wird.

In diesem Sinn stellt die aktuelle Installation auch keinen Bruch im Ausstellungsprogramm der Johanneskirche dar, sondern eine Möglichkeit, wie junge Leute zu Wort kommen und sich mit Kunst auseinandersetzen können.

Die Fernseh-Debatte: zwar nicht mehr ganz taufrisch, dafür umso begeisterter umgesetzt.




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