10.02.2003 11:27
Körperrituale
Adolf Frohner -
"Bilder und Grafik aus drei Jahrzehnten" in der Galerie Glacis, Graz
Auch Neo-Uniprofessor Adolf Frohner hat bei
wilden Materialschlachten mitgemacht, was sich seinerzeit Aktionismus nannte.
Bald aber sind die starken, dichten Kraftakte des Bezwingens jeder Konvention
dem zeichnerisch geübten Bild gewichen und angeschwemmte Fundstücke wurden
allenfalls dem vorab disponierten Bild in Form und Farbe streng gehorchend
einverleibt.
Jetzt war das Bild nicht länger Körper, sondern der Körper
wieder abgebildet. In dramatische Liniengeflechte eingesponnen stehen die
Figuren aufgereiht, harren die in rasch-drastischen Zügen oftmals blicklos
Eingefangenen der Marter, ausgestellt und Üppigkeit verheißend, wie einstmals
Rinderhälften auf altniederländischen Gemälden ein wohlständig Begehren
fokussierten.
Und "Dienerinnen" verrenken sich, dem auferlegten Vorbild
treu, über Reckstangen und Tische gelegt, gar selbst zum Tisch und Stuhl
verwandelt, in ihrer Ansicht öfters scharf zerschnitten, immer bereit, dem
Fetischisten Körper, dem Pathologen Ansichtsmaterial zu liefern und ihre Scham
als Wundmal vorzuweisen. (trag, DER STANDARD, Printausgabe vom 10.2.2003)