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Vertonte SMS: „Zeichen, die auf nichts deuten“

02.06.2009 | 19:45 |  (Die Presse)

Der schlaflose Franz West hat für die Cy-Twombly-Ausstellung eine Musikperformance entwickelt.

Cy Twombly ist zwar international ein großer Star, in Österreich aber praktisch nicht bekannt. Wann sind Sie auf ihn gestoßen?

Franz West: Ich war nie ein richtiger Fan von einem anderen Künstler, aber Twombly hat mir immer schon gefallen. In Wien gab es immer eine stark soziologisch geprägte Kunst, den Aktionismus, Arnulf Rainer mit seinen Kreuzen, es war immer Blut, Boden, Katholizismus im Spiel. Bei Twombly gibt es das nicht – diese l'art pour l'art, dieses Abgehobene hat mich interessiert, man stößt nirgends auf Realitäten, das war für Wien eine sehr mutige Haltung. Es war bestärkend, dass er sich das gestattet hat, trotz des Vorwurfs des Elitären.

 

Ihre weiß getünchten Objekte, die „Passstücke“, erinnern teils stark an die Objekte von Twombly, die jetzt in der Ausstellung zu sehen sind. Kannten Sie diese Arbeitenüberhaupt?

West: Ich habe Twomblys Skulpturen das erste Mal in Harald Szeemanns Ausstellung „De Sculptura“ gesehen (Festwochen-Ausstellung 1986, Anm.). In den 80er-Jahren habe ich auch ein schlaufenförmiges Passstück „Twombly“ genannt. Damit habe ich mich auf das Kringelbild von Twombly in der Sammlung Ludwig im Mumok bezogen. Und auf Wittgenstein, der auch Kringelzeichnungen gemacht hat, er hat sie als Zeichen der Sinnlosigkeit gesehen.

Wie bezieht sich jetzt Ihre Musikperformance, die gestern uraufgeführt wurde und am 18. Juni, 19 Uhr, wiederholt wird, auf Twombly?

West: Ich habe den Komponisten Michael Mautner gebeten, einen Text von mir zu vertonen, es ist eine Zwölftonkomposition, die ungefähr eine Viertelstunde dauert, dann geht sie fließend in eine Komposition von Philipp Quehenberger (Wiener Elektronikmusiker, Anm.) über. Ich gehe jeden Montag ins „Celeste“ bei der Wienzeile, wo die Jungs spielen, das gefällt mir sehr. Es ist auch eine Art der Abstraktion, wie bei Twombly. Aber eben von einer anderen Generation. Ich bin schon eine Generation jünger als Twombly, Quehenberger ist zwei Generationen jünger als ich. Es ist wie ein Echo, das in die Gegenwart hereinkommt.

 

Ihr Text, der den Musikern als Ausgangspunkt diente, ist auf ihrem Handy entstanden?

West: Ja, mit einem SMS-Programm, das automatisch Wörter vorschlägt, während man etwas eintippt. Darauf bin ich gekommen, als ich mit meinem Handy spielte, als ich nicht einschlafen konnte. Es sind alltägliche, bedeutungslose Worte, was wiederum mit den Graffiti in den Bildern von Twombly zu tun hat – die Mitteilung ist die Schriftform, nicht der Inhalt, es sind wie bei Twombly Zeichen, die auf nichts deuten. sp


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