Ausstellung "Grazgeflüster": Neue Geschichten aus einer alten Stadt
Mit dem Fokus auf Gerüchte, Kurioses und Anekdotisches wird in der Ausstellung "Grazgeflüster" im Stadtmuseum Graz eine facettenreiche Geschichte der steirischen Landeshauptstadt gezeichnet.
Der Ideengeber zum Ausstellungskonzept, der Schweizer Objektkünstler Daniel Spoerri, hat speziell für Graz drei Installationen realisiert: Zum gebürtigen Grazer und in Sarajevo ermordeten Erzherzog Franz Ferdinand, zum steirischen Panther und zur Geschichte der jüdischen Bürger der Stadt.
Nicht die üblichen historisch bedeutenden Ausstellungsstücke wie Urkunden, Briefe oder Porträts, sondern vor allem Alltagsgegenstände und persönliche Erinnerungsstücke sind in der Jahres-Hauptausstellung des Grazer Stadtmuseums zu sehen. "Mit Hilfe dieser 'sprechenden', faszinierenden Exponate soll mit künstlerischer 'dilettantischer' Neugier und vorhandenem historischen Wissen eine neue Kenntlichkeit der Stadt erreicht werden", so Direktor Otto Hochreiter.
So steht der Besucher nun vor Monstranzen aus Gewehrkugeln und Geschoßteilen, russisch beschrifteten Straßentafeln, einem rätselhaften Elefantenschädel, der erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Grazer Uhrturm gefunden wurde, oder der Schablone, die im Jahr 1980 den ersten noch illegalen Radweg in der Stadt kennzeichnete. Und man kann sich merkwürdige Tondokumente anhören: zum Beispiel Aufnahmen von Kinderhusten, mit dem ein Grazer Anwalt die Republik auf die Einhaltung des Feinstaubgesetzes verklagen wollte, oder den typischen Tarzan-Schrei von Johnny Weissmuller. Der Schauspieler war 1924 in der steirischen Landeshauptstadt, nahm an einem Schwimmwettbewerb teil und erzählte später immer wieder, dass er sein späteres Markenzeichen aus dem Jodeln entwickelt habe.
Inhaltlich wurde die eher in die Breite als Tiefe gehende Ausstellung vom Luzerner Kurator Beat Gugger konzipiert, der auch für die jüngst eröffnete Sonderausstellung zum 20-jährigen Ötzi-Jubiläum im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen verantwortlich zeichnete. Neue Erkenntnisse zur Grazer Stadtgeschichte darf man sich von der Schau allerdings nicht erwarten.
Das Stadtmuseum ist - und das ist schon wieder eine eigene Geschichte - auch das Geburtshaus von Erzherzog Franz Ferdinand, der 1914 in Sarajevo erschossen wurde. Das überzeugte letztlich den Objektkünstler Daniel Spörri, für die Grazer Ausstellung Beiträge beizusteuern. Spörri hat das Geburtszimmer Franz Ferdinands - so wie zu seiner Geburt auch - mit Stroh ausgelegt und an die Wände eine Sammlung von Kriegserklärungen gehängt. In Vitrinen werden das blutüberströmte letzte Unterhemd des erschossenen Thronfolgers sowie die Handschuhe des Lokführers, der die kaiserliche Familie nach Sarajevo brachte, präsentiert. Eine weitere Installation geht den Bemühungen von Grazer Juden, als "deutschblütig" eingestuft zu werden, nach. Zu sehen sind u.a. bewegende Dokumente, die Spörri auf einem Wiener Flohmarkt gefunden hat. Die dritte Inszenierung Spörris wurde weitgehend aus eigenen Museumsbeständen bestückt: Sie ist dem Steirischen Panther gewidmet, den, so Spoerri, "jeder in Graz, und in Wien schon niemand mehr kennt".















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