Joanneums-Streit: Kompromiss in Sicht
Im Zwist zwischen Peter Pakesch, Peter Weibel und Christa Steinle zeichnet sich nach Gesprächen eine Lösung ab, mit der die Beteiligten leben können. Um Details muss noch gerungen werden.
Quelle © KLZ Digital Joanneum: "Fachliches und ehrliches Gespräch"
Gegen vier Uhr nachmittag war im Büro von Kulturlandesrat Christian Buchmann wenigstens wieder eine Gesprächsebene zwischen Peter Pakesch und Peter Weibel hergestellt: Letzterer erklärte sich bereits, drei wichtige Projekte zum Joanneums-Stiftungstag im November zu kuratieren. Danach werde er seinen Vertrag um ein Jahr früher beenden.
Drei Jahrzehnte mit der Neuen Galerie
Christa Steinle, geboren 1951 in Graz, studierte Kunstgeschichte (Dissertation über "Die Nazarener in Österreich"), Romanistik und Philosophie in Graz und Perugia. Bereits ab 1979 ist sie an der von Wilfried Skreiner geleiteten Neuen Galerie Graz tätig. 1993 wird Steinle stellvertretende Leiterin des Hauses in der Sackstraße, 1999 schließlich dessen Leiterin.
Steinle kuratierte zahlreiche Ausstellungen, 2003 war sie österreichische Kommissärin der Kairo-Biennale. Als Autorin und Herausgeberin kann sie auf eine Fülle von Publikationen verweisen. Soeben erschienen ist der von ihr, Peter Peer und Karin Buol-Wischenau betreute Band "Rückblende. Die Fotosammlung der Neuen Galerie Graz"
Rund um die Umstrukturierung der Neuen Galerie und die Entlassung von Chefkurator Peter Weibel hatte es zuletzt viel Getöse gegeben. Unter anderem bekamen die Joanneumsdirektoren Wolfgang Muchitsch und Peter Pakesch Post von der Anwaltskanzlei Lindner & Rock, welche die zwangsbeurlaubte Neue Galerie-Direktorin Christa Steinle vertritt: Sie werde ihre angestammte Leiter-Position weiter erfüllen, heißt es im Schreiben. Die Direktion argumentiert, dass es den Posten in dieser Form nicht mehr gebe.
Toller Ruf
Peter Weibel rückte am Montag denn auch von der Forderung nach Steinles Wiedereinsetzung ab, betonte aber im Gespräch mit uns: "Ich verlange, dass sie in aller Freiheit die geplanten Ausstellungen noch machen kann!" Sonst ziehe er sein Angebot wieder zurück.
Topkünstler Erwin Wurm zeigte sich am Montag gegenüber der Kleinen Zeitung entsetzt über den "schlechten Umgang mit der Neuen Galerie, die international einen tollen Ruf hat". Außerdem könne man "so nicht mit Menschen umgehen". Im Hinblick auf Peter Pakesch kritisiert der Künstler, "dass zuviel Macht in Händen einer Person liegt".
"Ich bin Anhängerin von ,small is beautiful' und halte nichts von Macht-, Einfluss- und Geldkonzentrationen wie beim Universalmuseum (Pakesch), bin auch nicht von Mehrfachjobs (Weibel) überzeugt." Schreibt Künstlerin Reni Hofmüller in einem Brief. "Aber wie eine Stadt zusieht, wie der ,Herzeige-Weltbürger' Weibel einfach so abserviert werden kann, macht mich sprachlos."
Architekt Konrad Frey meint, "im Grunde geht es nicht nur um die Personen, sondern doch darum, was Kulturmanager anrichten können, wenn sie nicht gehindert werden". Sein Kollege Volker Giencke fordert die "Neuausschreibung der Intendanz des Joanneums": "Eine Ausschreibung ohne die proporzbedingte Zwei- oder Dreiteilung der Geschäftsführung. Es wäre die wirksamste der zu treffenden Einsparungen, kein politischer Kuhhandel."
Fälschung
Auch ein Brief, vermeintlich von Ex-Kulturstadtrat Helmut Strobl, sorgte am Montag mit harten Attacken gegen Pakesch für Aufregung. Allerdings erwiesen sich die heftigen Anschuldigungen als gefälscht, wie Strobl aufklärte. Er stehe hinter dem Intendanten, schätze auch Peter Weibel sehr und hoffe auf eine erfolgreiche Aussprache.
Strobls Hoffnungen schienen sich am Montag ansatzweise zu erfüllen. Nach einem gut einstündigen Gespräch wurde, so Pakesch zur Kleinen Zeitung, "ein tragfähiger Kompromiss" gefunden, der nun in weiteren Gesprächen in den Details ausverhandelt werden soll. Das erste mit Christa Steinle findet Dienstagvormittag statt.
Derzeit sehe es so aus, dass Peter Weibel und Christa Steinle die Ausstellungen, mit welchen die neue Neue Galerie im Herbst im Joanneum-Hauptgebäude in der Neutorgasse eröffnet werden soll, "gemeinsam machen". Er, Pakesch, habe die Rolle von Peter Weibel als Chefkurator "niemals in Frage gestellt".
Stabsstelle?
Christa Steinle werde man danach erneut die Leitung des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum anbieten (was diese dem Vernehmen nach bereits einmal abgelehnt hat). Der ohnedies bereits über das Pensionsalter hinaus verlängerte Vertrag mit Institutsleiter Werner Fenz (67) laufe Ende 2011 aus.
Ob das Joanneum überhaupt derartige Vorschläge machen könne? Pakesch: "Ja, das Institut ist eine Stabsstelle der Direktion." Aber weder im alten noch im neuen Organigramm des Joanneums ist ein Hinweis auf das Institut zu finden. Nicht nur Erwin Wurm würde sich vermutlich über eine weitere Machtkumulierung verwundern.
TV-Tipp
"Peter Weibel - mein Leben" 5./10./15. April, 13.15 Uhr, ZDF Theaterkanal
Kommentar
Neue Galerie
1941 Die Neue Galerie entsteht durch Teilung der 1811 gegründeten Landesbildergalerie des Joanneums in Alte und Neue Galerie; Letztere siedelt mit Beständen des 19. und 20. Jahrhunderts in das Palais Herberstein, Sackstraße 16.
Hans Riehl ist bis 1955 der erste Leiter, es folgen Walter Koschatzky (1956 - 1962), Trude Aldrian (1963 - 1965), Wilfried Skreiner (1966 - 1992), Werner Fenz (1993 - 1997), Peter Weibel (1998) und Christa Steinle (siehe rechts).
Wilfried Skreiner macht die Neue Galerie durch Ausstellungen, aber auch im Zusammenhang mit den Trigon-Biennalen im steirischen herbst und den Internationalen Malerwochen zu einer international angesehenen Adresse.















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10 Kommentare
Kommentar erstellenDie Dolche wurden wieder in den Gewändern verborgen, ...
... der Friede wird ein brüchiger sein.
Kindergarten
Ginge es hier nicht um viele Millionen aus der Geldtasche der Steuerzahler könnte man diese Streitereien als Provinzposse abtun. Hier in Graz bzw. hat sich ein feister Klüngel etabliert, der unverschämt in unsere Taschen greift und eine nicht messbare Gegenleistung erbringt, tatkräftig ünterstützt von diesem Blatt und seinem Oberkulturredakteur. Dieser hat sich seinerzeit schon auf unsere Kosten auf einer Pädak ausbilden lassen um dann schnell seine eh bescheidenen Fähigkeiten an besser bezahlter Stelle einzusetzen.
Die den Futtertrog der Steuerzahler nie verlassen...
..
..wozu auch???..wenn man völlig unbehindert sich daran kräftig laben kann!
Abenteuerlich...
Wird das der Bewegrund sein? Mit Sicherheit nicht!!! Ist es nicht möglich, dass Personen für ihr Lebenswerk und für eine Stadt kämpfen? Wie kann man solche Behauptungen einfach so in den Raum stellen? Abenteuerliche Diffamierungen...
..persönliche langjährige erfahrung, einsicht in unterlagen und nackte zahlen-felicio!!
Nein, denn
Weibel ist Leiter des ZKM, Kurator der 4. Moskauer Biennale, x-facher Autor, Universitätsprofessor etc...wie kann man hier annehmen, dass es sich hier um Geldgier handelt? Weibel hat das sicher nötig! Da kann man ja auch behaupten, Mateschitz hat Red Bull Cola nur gemacht, weil er zuwenig Geld hat...manchmal geht es auch um höhere Ziele, trotz deiner langjährigen Erfahrung...
..auch ich fühle mich den höheren zielen sowohl beruflich auch privat täglich verpflichtet!..die realität schaut leider anders aus!
ps:..der vergleich mit mateschitz " hinkt " aber gewaltig!..denken sie mal kurz nach-.........wie und wo???..danke für das eherenwerte du-wort!
"nicht alles was hinkt...
ist auch ein vergleich", stimmt, war nicht das beste Beispiel, da gebe ich Ihnen recht...dennoch wurde mein argument nicht entkräftet...Geldgier ist immer das polemischte Mittel um Menschen zu diskreditiern und diffamieren, da springt die Neidgesellschaft immer sofort darauf an...eine sachliche debatte sofort unmöglich...
..irrtum!
..nein, - es geht da überhaupt nicht um geldgier-mit verlaub!...sondern um den sich mit automatismus behafteten selbstverständnis, sich an öffentlichen mitteln frank und frei zu bedienen!!...und bei notwendigen limitierungen diesbezüglich gleich den beleidigten heraushängen zu lassen!...und wenn noch ein paar beleidigungen mitgehen!!...auch recht!