| Von der Vernetzheit der Welten | |
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Ausgehend von den im Vorfeld stattfindenden
Diskussions- |
Eigentlich wurde die Documenta11 nicht erst am vergangenen Freitag in
Kassel eröffnet, sondern am 15. März 2001 in Wien: Damals begann in der
Akademie der bildenden Künste am Schillerplatz als erste Plattform das
Symposium Democracy Unrealized, der weitere in Neu Delhi, St. Lucia und Lagos folgten. Keine postkoloniale Konstellation
Konzentration erforderlich Mag man darüber auch geteilter Auffassung sein, so lässt sich die
Ausstellung in anderer Hinsicht als so subtiler wie nachdrücklicher
Widerspruch gegen gängige Strategien der Kunstrezeption lesen: An der
Masse und Qualität der ausgestellten Werke scheitert jeder Versuch,
innerhalb eines Tages sich einen Überblick über den Stand der
Gegenwartskunst verschaffen zu wollen, weil klassische Genres wie Malerei
und Plastik eher spärlich, Foto- und Videoarbeiten dagegen um so
zahlreicher vertreten sind. Ohne überladen zu wirken, erzwingt die Ausstellung Konzentration,
Reflexion und den Blick über die Tellerränder der Kunst, und schließt
damit an jenen politischen Gestus an, der die ersten vier Plattformen
prägte.
Unsichere urbane Welten Orientierte sich schon die letzte Documenta nicht mehr an der ohnehin
zweifelhaften Idee einer Werkschau der Gegenwartskunst, ist dennoch
auffällig, wie straff und thematisch fokussiert die Ausstellung dieses
Jahr ausgerichtet ist, ohne überladen zu wirken. Eindrucksvoll wird dies
vor allem in der Ausstellung im Kulturbahnhof deutlich: Die dort gezeigten
Arbeiten widmen sich vor allem Problemen der Organisation urbanen Lebens
und bilden dabei ein Netzwerk gegenseitiger Bezüge.
Fish Story Wird diese Dichte gegenseitiger Bezüge an den anderen Ausstellungsorten
nicht erreicht, lässt sie sich andererseits als innere Struktur bei einer
Reihe von Arbeiten finden. Die "Fish Story" des Amerikaners Allan Sekula
ordnet 105 großformatige Fotographien, zwei Diaprojektionen und 26
Texttafeln in sieben Kapitel. Sie geht der Frage nach einer
zeitgenössischen Ikonografie der Arbeit nach und orientiert sich an und
Randexistenzen des Seehandels. Sekulas Fotografien zeigen ein in
permanenter Unruhe befindliches System. Ohne dass sie voneinander wissen
müssten, stehen die Lebensumstände polnischer Arbeitsloser, koreanischer
Werftarbeiter und internationaler Crews in Abhängigkeit.
Die Bataille-Skulptur "The art audience is the worst audience in the world. It's overly
educated, it's conservative, it's out to criticize not to understand, and
it never has any fun. Why should I spend my time playing to that
audience?" Wer hier David Hammons zitierend auf einer Tafel gegenüber der
Bindingbrauerei sein potenzielles Publikum beschimpft, ist der Künstler
Thomas Hirschhorn. Setzt man sich in eines der gelegentlich dort wartenden
Autos, wird man zum Bataille-Monument des Künstlers gebracht, der sich als
eingeladener Teilnehmer der Documenta lieber unter die geringeren Leute
mischt und seine Arbeit fern der eigentlichen Ausstellungen realisiert
hat: Zwischen den Häusern einer vor allem von Migranten und Migrantinnen
bewohnten Siedlung stehen aus Sperrholz, Plexiglas und Klebeband gebaute
Hütten, die unter anderem eine Bibliothek und einen Imbiss beherbergen.
Vor allem Kinder nutzen die Bauten so ausgiebig als Hangout, dass die
kleinen Gruppen von Kunstsuchenden eher wie verirrte Gäste wirken, während
Hirschhorn selbst zwischen Bewohnern sitzend sein Bier trinkt.
Link: Rundgang
durch die Ausstellung | ||||||||||||