| Salzburger Nachrichten am 09. Juli 2003 - Bereich: kultur
Schönheit des Materials
Werke von Herbert Albrecht in der Galerie Welz
Der Vorarlberger Bildhauer Herbert Albrecht ist einen erstaunlich konsequenten Weg gegangen. Er wurde 1927 geboren und hatte Glück, denn er entging einer Prä-gung durch die Kunstideologie des Nationalsozialismus. Als er 1949 an die Wiener Akademie kam, war der Spuk schon vorbei. Sein erster Lehrer dort war Franz Santifaller, und zwei Jahre später wechselte er zu Fritz Wotruba. Dessen Einfluss klingt bis heute im Werk Herbert Albrechts nach. Bis heute bemüht er sich um die Darstellung des Menschen. Wie vielen anderen Künstlern nach dem Zweiten Weltkrieg war es ihm bewusst, dass mit dem Idealisieren des Menschenbilds kein Weiterkommen war. Viel eher wurde man dem problematischen Wesen durch eine Art von Dekonstruktion gerecht. Die menschliche Figur wurde verfremdet, abstrahiert. Dessen ungeachtet folgt Albrecht einem Schönheitsprinzip. Seinen Werken ist anzumerken, wie hoch er das Material schätzt, mit dem er umgeht. Durch die Form, die er ihm abringt, kommen dessen Qualitäten umso deutlicher an den Tag. Man erkennt, wie kostbar Diabas, Irish Black oder Marmor sein kann und wie lebendig auf Grund der feinen Strukturen. Den Arbeiten in Stein und Bronze gehen vielfach Studien voraus. Die Galerie Welz zeigt nicht nur Plastiken, sondern auch Gouachen auf Papier, aus denen bei aller überlegten Konzeption und kompositorischen Überlegungen auch sehr viel Spontaneität und Dynamik spricht. Albrecht, der nach dem Akademiebesuch wieder nach Vorarlberg zurückkehrte, beweist, dass es auch außerhalb von Wien möglich ist, als ein Bildhauer, der keine Kompromisse eingeht und es dem Pub likum nicht immer nur einfach macht, zu überleben. Bis 20. Juli W. THUSWALDNER
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