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| 19.01.2006 - Kultur&Medien / Kommentare | ||
| Christoph Schlingensief - Peter Pan der Provokation | ||
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Ganz gemütlich kauert der junge Mann mit dem zerzausten Wu schelhaar am Boden eines tiefen Kellers in Reykjavik, den er vorher mit seinen Leuten zur vermüllten und vermytheten Erlebnis-Grotte zugekunstet hat, plaudert freundlich mit ein paar angereisten Journalisten und seiner Mäzenin Francesca Habsburg, trinkt ein Bier und wirkt ganz harmlos. Ein paar Stunden später wird Christoph Schlingensief als Braut verkleidet randalieren und das Publikum, das ihn durch eine Glasscheibe dabei zu begaffen hat, mit dem Einschlagen derselben vor den Kopf stoßen. Zynischerweise bekommt just die Kamerafrau ein paar Splitter zu viel ab. Genau wie einst die Burgtheater-Besucherin bei "Bambiland", die schmerzhaft einsehen musste, dass sie einem von der Bühne fliehenden Blumentopf im Wege saß. Berechenbar zu werden in seiner Unberechenbarkeit: Das
wäre wohl die bitterste Entzauberung des obsessiven Filmemachers,
Theaterregisseurs und Aktionisten, der mit seinen 45 Jahren nun wirklich
nicht mehr in die praktische "Enfant-terrible"-Schublade abgelegt werden
kann. Eher wirkt Schlingensief mit seinen absichtlich überfordernden, Gott
und die Götter der alten wie neuen Kultur-, Sozial- und Zeitgeschichte
verdauenden Mega-Projekten wie der Peter Pan der provokanten Anmaßung. Wer
das nicht aushält, kann ja die "Angst-Beichte" ablegen in seiner 2003
gegründeten "Church of Fear", der Anlaufstelle für alle
Terrorgeschädigten. sp |
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