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Kunstberichte
Das Leopold Museum präsentiert in einer neuen Schau Zeichnungen und Druckgrafiken von Robert Hammerstiel

Der einsame Wandersmann im Schnee

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Aufzählung Erst vor drei Jahren war ihm eine Gemäldeausstellung gewidmet, nun folgen seine Grafiken: Das Leopold Museum huldigt erneut Robert Hammerstiel – und das unter dem Titel "Winterreise", weil sich der Künstler im Jahr 1996, knapp vor dem 200. Geburtstag des Komponisten Franz Schubert, in einem Holzschnitt-Zyklus an seine eigenen Erlebnisse mit dieser Musik erinnerte.

Schubert-Hören und Zeichnen gehörte in der Kindheit des 1933 Geborenen offenbar zusammen. Er erlebte fünf wechselnde Regime in seiner ehemaligen Heimat Werschetz im Banat, die heute zu Serbien gehört. Lager- und Fluchterlebnisse prägen auch seine grafischen Serien – im Gegensatz zu seinem Vater, einem Ikonenmaler, fühlt er sich zur Schilderung der Realität verpflichtet.

Die Schrecken abladen

Bis heute sind die Erlebnisse aus Hammerstiels Kindheit ausschlaggebend geblieben, das dominante Medium war – bis zu seiner Begegnung mit der amerikanischen Farbfeldmalerei – die Zeichnung. In die gegenstandslose Abstraktion führte ihn sein Weg allerdings nicht. Auch bei farbigen Akzenten dominieren Figuren und deren Schatten: Während in den Bildern oft Gesichtslose auftreten, zeigen sich in den Zeichnungen kantig-holzige Antlitze. Der Holzschnitt zeigt die klassischen Expressionisten als Vorbilder, auch für die Porträts.

Wie Ernst Barlach und Käthe Kollwitz, deren Ausstellung nächste Woche im Leopold Museum startet, sieht sich Hammerstiel auch heute noch im sozialen Feld engagiert. Was nicht heißt, dass er etwas von den sozialistischen Stilen des Ostens übernommen hat, im Gegenteil: Die oft christlichen Themen und volkskundlich anmutenden Motive spielen, als quasi moralische Gleichnisse, eine dominante Rolle.

Metaphorisch zitiert Hammerstiel die "Kindertotenlieder" Gustav Mahlers oder Totentänze als an Edvard Munch gemahnende, friesartige Zeichnungen. Hammerstiel bringt die ständige Todesbedrohung im Lager aber auch naturalistisch als "Abendliche Selektion" oder "Das Konzert" aufs Papier – diese Erinnerungskunst hat auch heute noch die stärkste Wirkung.

"Ich lade alles in Bildern ab", sagt der Künstler, oder: "Immer sind wir die Wanderer.. ." Seine Menschengruppen sind oft nächtlich inszeniert, wie auf Bühnen – oder den harten Schwarzweiß-Kontrasten der Druckgrafik ausgesetzt. Dieses Verfahren hat der ehemalige Bäckerlehrling und Stahlgießer in Ternitz durch langjähriges Studium an der Wiener Kunstschule perfektioniert. Auch als Freischaffender lebt Hammerstiel übrigens noch nahe an den längst stillgelegten Stahlfabriken.

Aufzählung Ausstellung

Robert Hammerstiel.

Winterreise

Rudolf Leopold (Kurator) Leopold Museum Bis 27. April

Printausgabe vom Samstag, 07. Februar 2009


Kommentare zum Artikel:

06.02.2009 Schad(e)
Was macht das Bild von Schad bei Hammerstiel?????
Gerhard Anger
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