Alles ist möglich

Musik am Computer? Die Ausstellung sounds&files im Wiener Künstlerhaus gibt einen Überblick über alles, was möglich ist, und lädt Besucher zu Eigenexperimenten ein.


"In den Computern ist alles Zahl: bild-, ton- und wortlose Quantität. Mit Zahlen ist nichts unmöglich: Modulation, Transformation, Synchronisation; Verzögerung, Speicherung, Umtastung, Scrambling Scanning, Mapping. Ein totaler Medienverbund auf Digitalbasis wird den Begriff des Mediums selbst kassieren." Was Friedrich Kittler Mitte der 80er Jahre einerseits mit Faszination und andererseits mit Befürchtung im Diskurs avancierter Medientheorie schrieb, ist heute längst auf breiter Basis Wirklichkeit geworden.

Hausmusik

Undenkbar bis vor wenigen Jahren, kann man heute mit einem Standard-Computer im eigenen Wohnzimmer nicht nur schreiben, spielen oder im Internet surfen, sondern auch eigenständig Musik machen. Die Hardware mit Prozessoren von mehreren hundert Megaherz reicht dafür längst aus. Software zum Generieren von Musik steht entweder zu geringen Preisen oder gratis im Internet zum Herunterladen zur Verfügung. Die Festplatte wird immer mehr zum integrativen Instrument kreativer Prozesse, in denen unterschiedlichste Sounds geschaffen und immer wieder neu zusammengesetzt werden.

Vorurteile abbauen

Doch vielen PC-Usern sind diese Möglichkeiten des Musikmachens nicht bewusst, daher möchte die Ausstellung sounds&files nicht nur den professionellen Stand der Dinge zeigen, sondern auch Hemmschwellen und Vorurteile beim kreativen Gebrauch des Computers als Musikinstrument abbauen. Da sich derartige Ambitionen wohl kaum allein aus der Theorie vermitteln lassen, haben sich die Ausstellungskuratoren Christof Kurzmann, Roland Schöny und Constantin Peyfuss etwas Besonderes einfallen lassen: In einem digitalen Soundstudio können die Besucher selbst akustische und musikalische Experimente an den Computer-Terminals durchführen.

Studiosoftware zum Experimentieren

Das Endresultat lässt sich dann auf CD brennen und mit nach Hause nehmen. Die Möglichkeiten reichen dabei von einfachen Simulationen bestimmter Instrumente bis hin zu Aufnahmen mit hochkomplexer Studiosoftware.

Vielfalt als Prinzip

Zudem widmet sich die Ausstellung der digitalen Musikproduktion aus verschiedensten Blickwinkeln. So sind alte Roland- und Moog-Synthesizer genauso zu sehen wie Abbildungen gegenwärtiger Arbeitsprozesse im Musikschaffen, um die rasante Weiterentwickung digitaler Produktionsmittel nachvollziehbar zu machen.

Geschichte der elektronischen Musik

In einer Audiobox ist ein von österreichischen Musikern zusammengestelltes Programm zur Geschichte der elektronischen Musik zu hören, und in einem Cinema-Room sind Videos und Dokumentationen zu sehen. Wie sehr Audio und Grafik, beispielsweise bei der Verpackung und Promotion von Musik, künstlerisch einhergehen, ist ebenfalls Thema.

Soundformat MP3 als Schlüssel

Außerdem will die Ausstellung sounds&files die Veränderungen im soziokulturellen Umfeld der Musiker aufzeigen. So haben Techno und Elektro-Avantgarde neue subkulturelle Felder erschlossen. Und nicht zuletzt das Internet, das weltweit kollektives Komponieren via Netz ermöglicht. Das Soundformat MP3 ist dabei der Schlüssel, ermöglicht es doch selbst bei hohen Komprimierungsraten eine gute Tonqualität bei geringem Speicheraufwand. MP3-Files können somit auch von privaten Modem-Usern ohne stundenlange Übertragungszeiten verschickt werden.

Dauerpass für Mehrfachbesuche

Eine der wesentlichen Voraussetzungen für den Besuch von sounds&files ist Zeit, um die vielen Exponate und Installationen - etwa ein virtuelles Lagerfeuer - zu studieren, und um sich mit der digitalen Praxis des Musikmachens auseinanderzusetzen. Aus diesem Grund gibt es einen Dauerpass um 150 Schilling, der Interessierten den wiederholten Besuch der Ausstellung ermöglicht.

Link: sounds&files

Tipp:
Ausstellung sounds&files: noch bis 16. April im Wiener Künstlerhaus-Kino.

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