Salzburger Nachrichten am 04. Oktober 2003 - Bereich: kultur
Die Damen mischen kräftig mit

Frauen haben die österreichische Kunst seit 1945 maßgeblich mitbestimmt. Wie, das zeigt eine Ausstellung in der Kunsthalle Krems.

GÜNTHER FROHMANN

"Mimosen, Rosen, Herbstzeitlosen" - so der doppelbödige Titel der neuen Ausstellung in der Kunsthalle Krems, der metapherartig auf den Vergleich des weiblichen Geschlechts mit einer Blume anspielt. Doch ebenso wie die Rose sticht und die Herbstzeitlose bekanntlich giftig ist, sind auch zahlreiche der präsentierten Arbeiten von österreichischen Künstlerinnen durchaus aggressiv. In bisher noch nie dargebotener Breite widmet sich die Kunsthalle dem Werk österreichischer Künstlerinnen nach 1945.

Vier Kuratorinnen wählten 270 Arbeiten von 160 Künstlerinnen aus. Mentorin der sämtliche Räume der Kunsthalle nutzenden Schau ist Christa Hauer, selbst Künstlerin, 1960 Gründerin der legendären Wiener "Galerie im Griechenbeisl", Vorkämpferin für Gleichberechtigung der Frauen auf dem Kunstmarkt. Die Leistungen österreichischer Künstlerinnen seit 1945 werden ohne prononciert feministischer Attitüde anschaulich aufbereitet. An sich ist die Schau historisch konzipiert und setzt mit dem künstlerischen Aufbruch nach Ende des Zweiten Weltkrieges ein. Sie setzt aber auch gezielte Akzente durch Betonung einzelner Medien oder Materialien. Ein spezielles Anliegen der Schau ist die Erinnerung an Künstlerinnen wie Maria Szeni, Johanna Schidlo oder Helga Philipp, die in den ersten Jahrzehnten der Nachkriegszeit mit wesentlichen, vorwiegend abstrakten Beiträ-gen Aufsehen erregten und heute, zu Unrecht, völlig vergessen sind.

Einblick in die ganze Vielfalt

Ganz gezielt stellen die Kuratorinnen nicht "Stars" der Kunstszene wie etwa Maria Lassnig, Valie Export, Kiki Kogelnik oder Brigitte Kowanz in den Vordergrund. Vielmehr erhält der Besucher Einblick in die Vielfalt der weiblichen Kunstszene. Frauen spielten oft eine Vorreiterrolle, so bei den neuen Medien. Auch die Aktionskunst der siebziger und achtziger Jahre war keineswegs nur von der männlichen Szene geprägt. So wird an die Verhüllungsaktionen der Schweizerin Rita Furrer erinnert - die Kuratorinnen bezogen auch Künstlerinnen ein, die einige Jahre hier gearbeitet hatten. Bewusst wird auch die immer mit dem Attribut "weiblich" versehene Textilkunst berücksichtigt, um die Progressivität von Weberinnen wie Franka Lechner oder Johanna Schidlo zu zeigen.

Der Oberlichtsaal der Kunsthalle ist ausschließlich der abstrakten und geometrischen Kunst bis 1960 gewidmet. Hier wird evident, welche bedeutenden Beiträge Künstlerinnen dazu leisteten. Erinnert wird an die bekannte Kinetikerin Erika Giovanna Klien, aber wer kennt schon Namen wie Paula Maly oder Louise Autzinger?

Ein überaus bunt gestalteter Abschnitt "Kinder - Küche - Kirche - Kunst, Feministische Genreszenen zwischen Pop-Art und Realismus" leitet über zur Fotografie und zur Lichtkunst. Die Lichtinstallation "Entgrenzung" von Brigitte Malche zählt zum Spektakulärsten der Schau. Der Rundgang durch fünf Jahrzehnte österreichischer Frauenkunst endet in der zentralen Halle, wo jüngste Positionen zu finden sind. Einen tragischen Akzent erhält die Präsentation durch den unerwartet frühen Tod von Birgit Jürgenssen, die mit zynischironischen Zeichnungen wie "Fensterputzen" vertreten ist.

In ihrer Fülle ein wenig ausufernd, dokumentiert die Schau, dass Frauen heute in der Kunstszene, am Kunstmarkt kräftig mitmischen.

Bis 15. Februar 2004, tägl. 10 bis 18 Uhr, Katalog 29 Euro.