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| 10.06.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Österreichische und andere Realitäten | ||
| JOHANNA HOFLEITNER | ||
| Die 51. Kunst-Biennale steht ganz im Zeichen der Grenz- erkundung. Österreich ist mit zwei Künstlern vertreten: Hans Schabus im nationalen Pavillon und Jun Yang in der internationalen Hauptausstellung. | ||
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Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, kommt der Prophet zum Berg. Oder so. Nun, die Sorge ist Hans Schabus los. Dabei ist der 35-Jährige, der Österreich bei der diesjährigen Kunst-Biennale von Venedig vertritt, gar kein Shooting-Star, sondern hat sich den Weg hinauf kontinuierlich erarbeitet. Auszustellen begann er in den frühen 90ern, da hatten ihn die gewissen Galeristen mit dem „Riecher“ bereits auf ihrer Karte. Aufzufallen fing Schabus 2000 an – mit einer zauberhaften Installation, bestehend aus einer unter dem Plafond kreisenden Spielzeugeisenbahn und einer Kamera, die jeden, der beim Atelier reinkam, fotografierte. Von da ging es nach oben. Die Festivals und Museen, die ihn zeigten, wurden immer prominenter. Ganz wichtig in dem Zusammenhang: die vierte europäische Biennale „Manifesta“. Da schlug sein zusammenklappbares, mit Rädern versehenes Segelboot „forlorn“, mit dem er das Wiener Kanalsystem und später auch Manhattan und den Bodensee durchkreuzte, international erstmals richtig Wellen. Zuletzt reiste Hans Schabus mit diesem Bootchen, das der „Optimisten“-Klasse zugehört, nach Venedig. Die poetische Kunstaktion, deren Helikopterdokumentation unter dem Titel „Mare Adriatico, Venezia, 13 Maggio 2005“ in den Giardini im österreichischen Pavillon zu sehen sein wird, führte ihn – bingo! – durchs Valle Canale, das Kanaltal und bildete, avant la lettre, den Auftakt von Schabus’ Biennale-Auftritt. Wie gesagt: Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt ... Dann bringt der Künstler den Berg nach Venedig. Und zwar dahin, wo er hingehört – auf heimisches Territorium, das das zum österreichischen Ausstellungspavillon gehörige Grundstück allemal ist. Womit die Sache umso mehr Sinnhaftigkeit erhält. Den Berg hat Schabus dem 1934 von Josef Hoffmann errichteten Pavillon regelrecht übergestülpt (was man übrigens durchaus als Kommentar zum kalt-klassizierenden Jugendstil-Opportunismus des späten Hoffmann lesen darf). In seiner typischen – das Zimmern, Tischlern, Bauen forcierenden – Manier hat Schabus aus Kanthölzern, Bauware, Sandsäcken und Dachpappe eine von Korridoren durchzogene Konstruktion mit 700 Quadratmeter Grundfläche und 39 Metern Höhe errichtet. Dass er die Installation „Das letzte Land“ nennt, hat mit der Realität zu tun, liegt diese doch am äußersten Rand des Biennale-Geländes, unmittelbar dahinter grenzt schon das von Mussolini als Arbeitersiedlung angelegte Stadtviertel „St. Elena“ an. Der zweite Mann. Hans Schabus wurde vom diesjährigen Österreich-Kommissär Max Hollein, Direktor der Frankfurter Schirn und bald auch des dortigen, aus Museum und Kunsthochschule bestehenden Städel-Instituts, als „offizieller“ nationaler Biennale-Repräsentant auserkoren. In den Giardini präsent ist in diesem Jahr mit Jun Yang aber noch ein zweiter heimischer Künstler. Der 30-Jährige ist einer von 42 internationalen Künstlern unterschiedlicher Generationen, die Biennale-Leiterin María de Corral für die Hauptausstellung im italienischen Pavillon aussuchte: „The Experience of Art“ befasst sich anhand von Videos, Installationen und Malerei mit den „Intensitäten und Obsessionen, die die künstlerische Entwick-lung der letzten vier Jahrzehnte prägten.“ Jun Yang – der Name klingt so gar nicht österreichisch. Er ist es auch nicht. Jun Yang wurde 1975 in China geboren und kam 1979 mit seinen Eltern nach Europa. Wien war für sie eigentlich nur eine Durchgangsstation auf der Reise nach Belgien. Doch letztlich blieben sie hängen. Yang: „Als die Papiere fertig waren, sahen sie keinen Grund weiterzureisen. Was für einen Unterschied macht das schon, ob es Österreich war oder Belgien? Hauptsache nicht China.“ Auf der Suche nach Identitäten. Aus dieser biografischen Situation leitet sich sein künstlerischer Ansatz ab, in dessen Mittelpunkt die Auseinandersetzung mit kultureller Identität und Differenz steht. Seine eigene Geschichte will Jun Yang dabei aber eher als künstlerischen Modellfall denn als autobiografisches Szenario verstanden wissen. Für die Biennale hat er diese Recherche auf die Frage nationaler Identitäten anhand der Symbolik der Flagge ausgeweitet. Die Videoprojektion „HERO – this is WE“ führt TV-Material, Found-Footage-Bilder und Textmaterialien zu einer Kulturgeschichte der Flagge zusammen. In diesem Sinn ordnet sich seine Arbeit auch ein in den von de Corral vorgeschlagenen Fragenkomplex „Macht, Herrschaft, Gewalt“. Weitere Bereiche der hochkarätig besetzten Ausstellung, in der unter anderem Werke von Francis Bacon, Mirsolaw Balka, Candice Breitz, Stan Douglas, Marlene Dumas, Dan-Graham, Agnes Martin, Bruce Nauman, Thomas Ruff, Antoni Tàpies, Rachel Whiteread zu sehen sind, beschäftigen sich mit dem Archivgedanken, der Redefinition des Körpers und der Metapher des Verlustes. Ein Fixpunkt der Kunst-Biennale ist seit sechs Jahren auch das Ausstellungsgelände auf dem benachbarten „Arsenale“, einer aufs 12. Jahrhundert zurückgehenden Industriezone. In den Seilereien („Corderie“) und den Docks („Gaggiandre“) der Anlage findet die zweite Themenausstellung „Always a Little Further“ statt. Relevante Kunst. Rosa Martínez, die zweite Biennale-Direktorin, hat die
Schau angelegt als „Essay über Künstler und Trends, die am Beginn des
dritten Jahrtausends Relevanz haben.“ Zu sehen sind Arbeiten von 94
Künstlern, von Samuel Beckett bis zu den Guerrilla Girls, von Rem Koolhaas
bis Mona Hatoum. Für österreichische Spuren sorgen der Däne Olafur
Eliasson und der Deutsche Olaf Nicolai: beider Arbeiten werden von der in
Wien angesiedelten Kunststiftung T-BA 21 (Thyssen-Bornemisza Art
Contemporary) produziert. |
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