ERNST P. STROBL Salzburg (SN). Mit provokanten Befunden spart Barbara Wally nicht. "Die westliche Kunstszene ist ausgelaugt", sagt die seit sieben Jahren amtierende Direktorin der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg beim Pressegespräch am Mittwoch. Das sei auch der Grund, warum Kunst aus dem Fernen Osten in aller Welt boome. Ja, sogar Kunst aus dem Nahen Osten rücke immer weiter ins Interesse der westlichen Szene auf ihrem "kreativen Raubzug" (Wally). Bei der diesjährigen Sommerakademie lässt sich das gut beobachten. Mit den aus China stammenden Zhou Brothers und Xie Nanxing aus Peking und ihrer Malerei sowie mit dem - in Berlin lebenden - Bildhauer Wang Fu hat Barbara Wally namhafte Vertreter einer Kunst, die man durchaus dem Fernen Osten zurechnen kann. Barbara Wally verweist aber auch auf das neue Interesse, das an der islamischen Welt und ihrer Kunst entfacht wurde. Gerade in dieser Richtung - in Salzburg unterrichten derzeit Mohamed Abla aus Kairo oder die Medienkünstler Shirin Neshat und Shoja Azari aus dem Iran - herrsche großer Nachholbedarf an Information, diagnostiziert Wally.
Der Kunstmarkt im Westen funktioniere zwar, doch würde dies nur wenigen "Markenartiklern" mit ihrer "Galeriekunst" zugute kommen, sagt Wally. Da finde sie das Spannungsfeld in der islamischen Kunst aufregender, welches aus Umständen entstehe, die man hier zu Lande nicht kenne. Einerseits sei im Islam das Darstellen eines Menschen verboten, andererseits würden die Völker in der Region durch die Massenmedien mit Bildern förmlich überflutet. Allerdings sei es ihr nie auf irgendeine Nationalität angekommen, betont Barbara Wally. Mohamed Abla hat übrigens eine "Nebenwirkung": Im Fayum Center, rund eine Autostunde südlich von Kairo, hielt Abla erstmals eine Winterakademie nach dem Vorbild der Salzburger Sommerakademie ab. Diesbezüglich hat Wally ein internationales Kooperationsnetz aufgebaut. In Rom hat der Künstler Andrea Fogli das Projekt "Accademia Primavera" nach Salzburger Vorbild aufgebaut, die TU im sibirischen Irkutsk oder die Jiao Tong University in Schanghai sind ebenso Kooperationspartner wie eine Künstlergruppe in Tansania. Ein Dialog der Kulturen auch in Salzburg: Beim Ägypter Abla sitzen Studenten aus dem Libanon, Russland und Tansania neben Italienern. Das "Open House" auf der Festung am 17. August könnte dies spiegeln. Am 24. August wird die Saline Hallein geöffnet und lädt das Steinbildhauersymposion im Marmorbruch Fürstenbrunn zum Tag der offenen Tür.







