Hauptmenu . _ Hauptmenu
Hauptmenu Hauptmenu Hauptmenu
Hauptmenu .

.

. .

Etwas fürs dritte Hosenbein

Von Claudia Aigner

Debattieren Sie mit!Vielleicht gibt es sie ja doch, die Männer, die so gut bestückt sind wie die "Holzhackerbuam" auf den Bildern eines Tom of Finland, die bei Beinkleidern eine neue Spezialgröße (neben den untersetzten und langen Größen) inspirieren könnten: die "potente Größe" (weil sie ja eigentlich ein drittes Hosenbein bräuchten, um auch wirklich ihre ganze Zeugungskraft unterzubringen).
Für Martina Reinhart (bis 30. September in der Galerie Chobot, Domgasse 6) dürfte der Priapismus (die unmotivierte Dauererektion) doch tatsächlich keine Krankheit sein, sondern ein Idealzustand. Die Männer, die auf ihren Leinwänden "herumschwänzeln", legen sich ins Zeug, als ginge es um die Wahl zum "Mister Viagra". Kurz: Eine Leistungsschau der Schwellkörper. Das einzige, was die Männerunterhosen-Models von "Palmers" (diese wandelnden Minislips, die vor Fitnesscenter nur so strotzen) mehr zu bieten haben, sind ihre Unterhosen.
Ironischer Weise hat Reinhart ihren "Zuchthengsten" ein radikales Make-up aufgelegt (nämlich ihre Köpfe komplett bandagiert). Das "Redundante am Mann" wird eingewickelt und die "Quintessenz des Mannes" noch dazu auffallend bunt angemalt (nicht weniger aufdringlich als das knallrote "Fortpflanzungsbesteck" in Habtachtstellung in Egon Schieles Selbstporträt "Die rote Hostie"). Das "starke Geschlecht" macht dem "schwachen" das Sexobjekt-Monopol massiv streitig. Martina Reinhart hat das malerisch souverän hingekriegt. In ihren "Zaubermännern" wird der Mann dann wieder "rehabilitiert" und ist dementsprechend abstrakter. Harmloser sind da schon ihre parzellierten "Menschen", deren bunte Körperteile den Blick aber geschickt führen.
Die Ausstellung "Menschen, Männer, Zaubermänner" ist bei näherer Betrachtung eine Steigerung wie "veni, vici, vidi" (ich kam, ich siegte, ich sah), denn die Potenzlackeln gehören ja zur Kategorie "Männer" und ihre Potenz ist mindestens so entwaffnend wie Caesars Legionen.
Das müssen zwei halbe Beißzangen sein, die da mit dem vierbeinigen Ding namens Kamelhund Gassi gehen. Christine Pillhofer ("Den Kamelhund gibt's natürlich ned") ist eine originelle Restlverwerterin. Vor Jahren hat sie so etwas wie einen Leichenwagen gefleddert (einen Lkw mit dem Abfall von Schmiedekursen, der zum Schrottplatz unterwegs war) und schweißt die Metallstückerln seither zu witzigen, launisch-impulsiven Gebilden zusammen. Was leider nur noch heute in der Galerie Artefakt (Strauchgasse 2) herumsteht, kann man problemlos Metallzeichnungen im Raum nennen, aber halt nicht aus Grafit (die Mine eines Bleistiftes besteht ja nicht ernsthaft aus Blei), sondern gleich aus Schmiedeeisen.
Dem "Hans Huckebein" sieht man auf den ersten Blick nur den Raben an und gar nicht das "Mistviech" aus Wilhelm Buschs gleichnamiger Slapstick-Orgie, wo der Rabe über einen Haushalt herfällt und die frische Wäsche mit Heidelbeerkompott schändet (aber sich am Ende ja eh im Suff versehentlich mit dem Strickzeug erhängt). Eigentlich ist er mit seinem Sinn fürs Ornamentale fast ein Kollege der Pillhofer, zumindest wenn er der Katze den Schwanz so lange aufzwirbelt, bis sie am Hintern eine bleibende Spirale davonträgt.
Spielerisch und zielsicher zugleich kombiniert Pillhofer ihre Fundstücke. Es ist nicht verboten, an Picasso, diesen begnadeten Mülltonnen-Kleptomanen, zu denken und an seine genialen Assemblagen. Wunderbar dazupassend: die expressiven Rohrfeder-Pinsel-Zeichnungen, die sich zu Jackson Pollock verhalten wie Ausdruckstanz zu einem stundenlangen epileptischen Anfall.

Erschienen am: 15.09.2000

.

Sie sind eingeloggt! 1276 User insgesamt auf dem Server angemeldet.  Logout 



Mit unseren Suchseiten können Sie in der Zeitung und im Internet recherchieren. Nutzen Sie die Link-Sammlungen, um EDV-Unternehmen und Software zu finden.

.