| Salzburger Nachrichten am 06. Februar 2002 - Bereich: kultur
Das neue Museum im Berg
Das Hollein-Projekt für ein Museum im Mönchsberg liegt nun überarbeitet
und deutlich abgespeckt vor. Das Land will den Vorschlag drei Monate lang
prüfen.
WERNER THUSWALDNER
Am Montag und Dienstag stellten Architekt Hans Hollein und der Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums in Wien, Wilfried Seipel, die neue Machbarkeitsstudie für das Museum im Berg vor. Die Stadt Salzburg hatte die Studie in Auftrag gegeben. Hollein stellte das überarbeitete und gegenüber dem Projekt für das Guggenheim-Museum vor zwölf Jahren wesentlich abgespeckte Projekt vor, und Seipel entwickelte ein mögliches Betreiberkonzept. Die Studie bildet die Grundlage für weitere Gesprä-che, die zu einem gemeinsamen Vorgehen von Stadt und Land Salzburg führen sollen. Die wichtigste Änderung Holleins betrifft eine Reduzierung der Flächen vor allem im Eingangsgeschoss. Auf eine Anlieferung von Seiten der Reichenhaller Straße wird verzichtet. Die Besucher kommen vom Hof des Bürgerspitals und von den Mönchsberggaragen in ein Foyer. Die Kernelemente des Projekts, die von einer Glaskuppel überdachte Rotunde und zwei ellipsenförmige Ausstellungsebenen mit Tageslicht, bleiben erhalten. Neu ist ein gläserner Lift in der Rotunde. Kosteneinsparungen ergeben sich auch dadurch, dass Ungewissheiten der Felsbeschaffenheit durch Probebohrungen reduziert werden konnten. Inzwischen wurde auch eine Methode gefunden, wie das Feuchtigkeitsproblem in der Rotunde gelöst werden kann. Hollein sieht nun eine Verbindung im obersten Geschoss zwischen seinem Projekt und dem Museum auf dem Berg vor, das vom Land Salzburg gebaut wird. Die Ausstellungsfläche wird von 6820 auf 4650 Quadratmeter verkleinert. Damit sinken die Kosten von bisher rund 77 Mill. Euro (1,061 Mrd. Schilling) auf rund 47 Mill. Euro (646,5 Mill. Schilling). Die Reduktion beträgt 37 Prozent. Hinzugekommen ist ein kleines Amphitheater auf dem Berg mit bester Aussicht auf die Stadt. Damit soll nicht zuletzt ein Manko des Museums auf dem Berg ausgeglichen werden. Die Stadt Salzburg hat bekanntlich 181.700 Euro (2,5 Mill. S) für das Projekt reserviert. Wilfried Seipel sagte bei der Prä-sentation, dass man im Fall des Hollein-Projekts nicht von einem Museum sprechen könne, weil ja keine Sammlung vorhanden sei. Sein Konzept sieht eine multifunktionale Nutzung vor. Die weltweit einmalige Architektur mit ihrem vielfältigen Raumangebot, ihren Durchblicken und Perspektiven bilde dafür die günstigsten Voraussetzungen. Ausstellungen, aber auch Präsentationen kulturgeschichtlicher Themen seien ein wichtiges Element, darunter auch Großausstellungen, zu denen sein eigenes Haus, aber auch die Eremitage und Guggenheim beitragen könnten. Die Räume im Berg müssten aber auch für Veranstaltungen offen stehen, die ein Publikum verschiedener Altersgruppen ansprechen können. In diesem Zusammenhang fiel der Begriff "Event". Der Betreiber müsse jedenfalls kompetent sein und über internationale Verbindungen verfügen.
Zum Vorteil der
Seipel sagte, dass sich Salzburg mit dem Projekt binnen zwei Jahren einen Ruf als Stadt mit einer Attraktion erwerben könnte, die man wegen ihrer Architektur und ihrer wechselnden Darbietungen gesehen haben muss. Er sei jetzt von dem Vorhaben noch viel mehr überzeugt, als er es am Anfang gewesen sei. Die Studie geht von 300.000 bis 500.000 Besuchern im Jahr aus. Die Machbarkeitsstudie umfasst auch Kostenrechnungen, zu denen Heinrich Spängler Stellung nahm. Erarbeitet wurden sie von Hannes Pflaum. Im Falle von 300.000 Besuchern würde man eine Eigenwirtschaftlichkeit von 55 Prozent erreichen. Die Subvention müsste 3,5 Mill. Euro jährlich betragen. Kämen 500.000 Besucher, wären es 74 Prozent. Spängler führte an, dass die Bauphase auf Grund der Abgaben für die öffentliche Hand ein Geschäft wäre. Das Land Salzburg will nun die Studie drei Monate lang prüfen, bevor es zum Projekt Ja oder Nein sagt.
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