Salvador Dalí und kein Ende
Surrealismus. Der Direktor der Kunsthalle Wien, Gerald Matt, richtet dem Hauptkönig des Surrealismus eine huldigende Ausstellung aus.
Jan Tabor WIEN (SN). Surrealismus à la Matt, da darf man eine Art Meta-Surrealismus erwarten. Wohl auch eine Art Meta-Autobiografie des künstlerisch und selbstdarstellerisch ambitionierten Kunsthallendirektors. Thema und Ausstellungsplakat lassen eine Sommergäste-Quotenschau im Auftrag der Wien-Werbung erwarten.
Auf dem Plakat ist Salvador Dalí abgebildet in einer der bekanntesten Porträtaufnahmen des Jahrhundertkünstlers: „Dalí’s Mustache“ von Phillippe Halsman. Dalí mit dem besonders langen, besonders spitzen Spitzbart, dessen beide Enden bis zu den Augen reichen und die die pechschwarzen Pupillen so berühren, als würden sie den Blick des Künstlers mit einer magischen Energie versorgen.
Tatsächlich, gewisse Ähnlichkeiten mit Gerald Matt, dem Kunsthallendirektor und Dalí-Kurator, sind nicht zu verkennen. Sowohl physiognomische als auch charakterliche Berührungspunkte, etwa der verschiedenen Spielarten von Selbstneigung, vor allem der zu einer effektvollen Selbstinszenierung.
Über Dalís Kopf auf dem Plakat ist wie eine Aura die Aufschrift „Le Surréalisme, c’est moi!“ aufgebracht, als wäre sie eine Paraphrase des berühmten Ausspruchs von Ludwig XIV. Ist sie aber nicht. Dalí sagte tatsächlich den Satz so, im Streit mit André Breton, dem Hauptideologen des Surrealismus. Dalí sagte: „Ich bin kein Surrealist. Ich bin der Surrealismus. Surrealismus ist keine Partei oder Marke; es ist ein Geisteszustand. Es ist die totale Freiheit und das absolute Recht zu träumen.“
Also keine falschen Vorurteile, weder Dalí noch Matt gegenüber. Eine Dalí-Ausstellung, die mit der Zeitschrift „Time“ von Dezember 1936 an der Wand beginnt, die den damals 32-jährigen spanischen Künstler auf dem Cover als den Mann des Jahres darstellt und mit dem Buch „Les Chants de Maldoror“ und einer kleinen, unauffälligen Zeichnung von Dalí fortgesetzt wird, kann keine schlechte Dalí-Ausstellung sein.
In dem 1868 erschienenen Buch findet sich ein Satz, der zum surrealistischen Leitbild wurde, jener von der „zufälligen Begegnung einer Nähmaschine mit einem Regenschirm auf einem Seziertisch“. Dalí hat es gezeichnet und seine kleine, unauffällige Federskizze hängt nun neben dem Buch. Der Eindruck, dass es sich bei der Dalí-Schau um eine ungewöhnliche, pfiffige, witzige und erkenntnisreiche Ausstellung handelt, hält bis zum Ende. Nicht erst am Ende wird es klar, dass es keine Dalí-Retrospektive ist, sondern ein Hommage à Dalí, eine stille, präzise, beinahe wissenschaftliche und souverän installierte Verknüpfung von ästhetischen und psychologischen Bezügen, in deren Mittelpunkt Dalí als Spiritus Rector einer nie mehr aufhörenden Bewegung ist.
Werke von Louise Bourgeois und Glenn Brown belegen den Einfluss von Dalí. Markus Schinwalds Beitrag ist der schönste Beleg für die Aktualität des Dalísmus – ein Aquarium. Aber was für eines. Das erste surrealistische Aquarium – und so unendlich still und weich. Es erinnert an die Uhr-Werke Dalís. (bis 23. 10.) t



















