Oberösterreich ist scheinbar doch weiter von Wien
entfernt als gedacht: Obwohl der Maler Anton Lutz in der Secession der
Zwischenkriegszeit oft vertreten war, ist er nach 1945 vor allem in der
Kunstpolitik des Landes wichtig, während er in Wien bis heute kaum bekannt
ist.
1934 wurde Lutz Präsident des Oberösterreichischen Kunstvereins und
baute diesen auch nach 1945 wieder auf. Nun kuratierte der Leiter des
Oberösterreichischen Landesmuseums, Peter Assmann, die Schau
"Lichtimpressionen. Der Maler Anton Lutz (1894-1992)" im Oberen Belvedere.
Er hat sich schon in einer Monografie mit dem Mitbegründer der
avantgardistischen Künstlergruppe MAERZ (von 1913) auseinander gesetzt.
In den ganz frühen kleinen Bildern von Lutz erkennt man den Einfluss
Egon Schieles und der Wiener Secession, dies ändert sich jedoch 1922 bis
1923 mit seinem späten Studium an der Münchner Akademie bei Heinrich Knirr
und Constantin Gerhardinger.
Der ausgebildete Pädagoge, der so früh gegen den Oberösterreichischen
Kunstverein rebelliert hatte, wandte sich später dem Spätimpressionismus
seiner Lehrer zu. Allerdings spürt man da auch den Einfluss Anton
Faistauers, der in Salzburg mit Lutz’ Freund Sturm-Skrla zusammenarbeite.
In der Zwischenkriegszeit beteiligt Lutz sich auch zahlreich an den
Ausstellungen der Secession, deren Mitglied er bereits ab 1925 war. Über
diese Auftritte in Wien hat Franz Smola im Katalog viele Zeitungskritiken
als interessante Quellen zusammengeführt.
Krieg und Veränderung
Die Veränderungen durch die Neue Sachlichkeit spielen kurz eine Rolle
bei Lutz, allerdings ist hier zu bedenken, dass er auch dem Hagenbund nahe
stand. Seine Porträts und das Stillleben mit Kakteen und roter Glasschale
sind interessante Beiträge. Der Erste wie der Zweite Weltkrieg
unterbrachen die Laufbahn des Künstlers, auch wenn er mit einigen an die
Wilhelm Leibl-Begeisterung anknüpfenden Akte und Interieurs auch an den
"Großen Deutschen Kunstausstellungen" in München teilnehmen konnte.
Starke Reduktion
Nach 1945 konzentrierte er sich neben der Kunstpolitik auf einen von
hellen Lichtstimmungen dominierten Stil. Dabei blieb er, trotz starker
Reduktionen, immer im Gegenständlichen beheimatet. Die in den Siebziger-
und Achtzigerjahren entstandenen Spätwerke können zwar nicht mehr an die
"Neuen Wilden" anknüpfen, man mag sie als eigenwilligen Tachismus
bezeichnen: eine Stilrichtung, die versucht, Empfindungen als Spiel des
Zufalls wiederzugeben – etwa durch spontanes Auftragen von Farbklecksen.
Mit seinen grafischen Kratzspuren ist Lutz mit dem Wiener Maler Hans
Robert Pippal vergleichbar.
Lichtimpressionen - Der Maler Anton Lutz (1894–1992)
Peter Assmann (Kurator)
Oberes Belvedere bis 5. März
In Wien unbekannter Secessionist.
Freitag, 09. Dezember
2005