HALLEIN (adi). Nach der Wende sei er explodiert, vorher habe er sich in einer Art Geheimsprache mitteilen müssen, sagt der gebürtige Chemnitzer Michael Morgner bei der Eröffnung seiner Ausstellung im ehemaligen Kunstforum beim Rathaus vorige Woche. Standen zu Beginn seines Schaffens Stilleben oder Porträts im Vordergrund, zeigt er in seinen späteren Werken den Menschen, der sich dreht und windet und nach einer Art Befreiung sucht. Insbesondere die großformatigen Arbeiten des unter dem DDR-Regime aufgewachsenen Künstler bilden diese Schaffensperiode deutlich ab.
Einmal erscheint der Mensch unter den Füßen Gottes, ein ander Mal schält er sich aus seiner Umgebung regelrecht heraus, dann verschwindet er wieder nahezu vollständig. Morgner kapselt seine Figuren gerne ein und zeigt ihre Wehrhaftigkeit darin.
Besondere Liebkinder sind Morgner, der 1977 Mitbegründer der legendären Künstlergruppe "Clara Mosch" war, kleinformatigen Winterlandschaften, die ebenfalls zu sehen sind. Hier kommt der Grafiker in ihm durch. Gerade die Grafikkunst erlebte in der DDR eine Hochkunjunktur, "weil hier verschlüsselte Botschaften leichter anzubringen waren", sagt Morgner, der heuer wieder bei der Sommerakademie in Hallein unterrichtet. Morgner, der zeitlebens versuchte, die Politik nicht in seine Kunst einfließen zu lassen, sieht sich heute im Rückblick dennoch als politischer Künstler. "Auch diese Haltung war eine Art Politik", sagte er.
Die sehenswerte Ausstellung ist noch bis 1. September zu sehen (Dienstag - Freitag 16 bis 19 und Samstag 10 - 13 Uhr).








