Textarchiv OÖNachrichten www.nachrichten.at/archiv
vom 11.10.2007 - Seite 023
medienkulturhaus

Mode und Bulgarien in Wels, der "typischen zweitgrößten Stadt"

Von Julia Evers

Mode ist schon längst mehr als nur Kleidung, die Erfüllung des Grundbedürfnisses, den Körper zu schützen. Mit dem, was wir tragen, zeigen wir, zu welchem Kulturkreis, sozialer Gruppe und Schicht wir gehören, welche Lebenseinstellungen und Werte wir vertreten. Ein spannendes Thema, dem das Medienkulturhaus Wels seinen Jahresschwerpunkt gewidmet hat. Unter dem Motto "Codes - Textiles als Medium" setzten sich rund 50 Jugendliche in Sommerworkshops mit Mode auseinander. Kleiderdesign, Video, Musik, Foto und Comic standen auf dem Programm. Die Ergebnisse der Workshops gibt's am 19. Oktober ab 19 Uhr im Medienkulturhaus beim "Open MKH" zu sehen - gemeinsam mit einer Modenschau, bei der Jugendliche Kleidung von jungen österreichischen Designern über den Laufsteg tragen.

Die Galerie der Stadt Wels trägt den Schwerpunkt mit - und zeigt Werke des Schweizer Künstlers Daniele Buetti, der in seinem "Looking for Love"-Zyklus Kunst am Körper, Markenwelt und Modelkult in Bildern spielerisch untersucht. Die Linzerin Dagmar Höss hat sich für einen anderen Zugang entschieden: Sie erzeugt Spannung, indem sie Textzeilen aus der Bundeshymne auf Caritas-Pullover druckte.

Wer so lange auf seinen nächsten Besuch in der Galerie der Stadt Wels nicht warten will, kann sich noch bis Sonntag in der Ausstellung "last minute" auf die Spuren des Massentourismus begeben. Die vier Medienkünstler Ronit Porat, Isabella Grödl, Peter Köllerer und Norbert Artner hielten ihre Eindrücke vom Goldstrand in Bulgarien auf Dias fest. Herausgekommen ist eine beeindruckende Gegenüberstellung von Sichtweisen: Bilder von Touristen neben Architektur an der Schnittstelle zwischen Kapitalismus und kommunistischer Vergangenheit, intime Selbstporträts neben Aufnahmen von dem, was vom Tourismus eigentlich bleibt, wenn die Nacht Vergnügungsparks und Strände einhüllt.

Und weil das alles noch nicht genug ist, will das Medienkulturhaus auch zu Linz09 seinen Beitrag leisten: "Wels ist die typische zweitgrößte Stadt", sagt Galerieleiter Günter Mayer: "Es dominiert das Gefühl: In Linz ist alles, bei uns fast nix." Im Kulturhauptstadtjahr soll sich das MKH neun Wochen in ein internationales Atelierhaus verwandeln, in dem Künstler herausfinden, wie sich das "zweitgrößte" Lebensgefühl auf kreative Sparten auswirkt.

Fotoworkshop-Mode (MKH)

"last minute" am bulgarischen Goldstrand (Ronit Porat)


© Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf.