08. Juli 2010 - 00:04 Uhr · Von Irene Gunnesch · Kultur

Austellung: Kubins Delikatessenlade

Kubins Delikatessenlade
Stimmig, atmosphärisch höchst reizvoll und eine abwechslungsreiche Augenweide – das alles bietet die Ausstellung „Abend in China – Kubin und die Tradition des Ostens“ in der Landesgalerie in Linz. Parallel dazu werden Gustostücke Egon Hofmanns aus der Sammlung gezeigt.

Begeisterung spricht bei diesem Zitat wohl aus jeder Zeile: „An Empfindung und Vollendung das Höchste, was die Schwarz-Weiß-Kunst auf unserer Erde hervorgebracht hat!“ Dermaßen ergötzt haben Alfred Kubin (1877–1959) asiatische Graphiken. 120 teils wertvollste Beispiele davon – von Holzschnitten bis zu Tuschebildern – hat er selbst gesammelt.

Sie waren ihm nicht nur attraktives Anschauungsmaterial, sondern auch lebendiger Impuls. Davon kann man sich jetzt bei der Ausstellung „Abend in China – Kubin und die Tradition des Ostens“ im Kubinkabinett und Wappensaal der OÖ. Landesgalerie überzeugen. Dieser Griff in Kubins Delikatessenlade ist ein weiteres formidables Beispiel einer Ausstellungsreihe, die hier bereits Tradition hat: nämlich die hauseigene Sammlung in stets neuem Kontext zu zeigen.

Spitzenklasse, was Kuratorin Monika Oberchristl dafür zusammengestellt hat und wie die Ausstellung präsentiert wird: Als unterstützenden Farbton auf manchen Wänden und manchen Passepartouts wählte man das nach japanischem Kren benannte „Wasabi“, ein sanftes Pastellgrün. Es gibt den Abgründen der Seele eine weitere Tiefe.

Viele Aha-Erlebnisse

Einen sanften Kontrast, der den jetzt ausgestellten, teilweise aus Kubins Sammlung und aus der Sammlung Walter Kastner stammenden asiatischen Arbeiten ebenso schmeichelt wie den Zeichnungen des Meisters von Zwickledt.

Spannend und mit vielen Aha-Erlebnissen verbunden ist sie auch – diese prägnante Gegenüberstellung von Exotischem und dem, was Kubin daraus gemacht hat. Die exzellente, unübertroffene und konzentrierte Formen- und Farbensprache eines Hiroshige, eines Miyagawa Choshun hat Kubin aufgesogen, im inneren Fühl- und Denkkammerl bearbeitet, in seine ureigensten Inhalte und seinen explosiven Gestus umgesetzt.

Man mag ornamentale Anleihen erkennen, auch Raumvorgaben, Motive – das dermaßen Inspirierte ist trotz allem immer wieder ein „reiner“ Kubin, zu dessen Werk die Landesgalerie nun übrigens den neuen Band „Bilder des Phantastischen“ publiziert hat (24 Euro).

Begegnungen der sehr intensiven Art bietet daneben auch der Fokus auf das Maerz-Gründungsmitglied Egon Hofmann (1884–1972). Das Werk des bei einem Straßenbahnunfall umgekommenen Linzers wird in sehr schönen Beispielen dokumentiert. Von fast comic-haften Graphiken bis zu Gemälden, die seine kosmopolitische Gesinnung und Reisefreudigkeit zeigen.

Zwei feine Stationen, viele spannende Augenweiden.

Info: 0732/ 77 44 82; www.landesmuseum.at

Quelle: OÖNachrichten Zeitung
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/kultur/art16,425617
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