

Wien - Die Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums (KHM) hat sich gewandelt: Vor 20 Jahren zuletzt umgestaltet, wurde unter der neuen Direktorin Sylvia Ferino-Pagden, die den pensionierten Karl Schütz mit Dezember 2010 abgelöst hat, bereits kräftig umgehängt. Die altdeutschen Meister sind in den großen Saal 15 gewandert, während im Saal 12 barockes Übereinander der Flamen und Holländer eingezogen ist. Mit "visionärer Kraft" sei Ferino ihre Tätigkeit angegangen, lobte KHM-Generaldirektorin Sabine Haag am Montag bei einer Pressekonferenz.
Fertig ist die neue Gemäldegalerie noch nicht: Die holländischen Meister sollen längerfristig in den Eckkabinetten ausgestellt werden, ab 2012 wird der italienische Teil umgestaltet, insgesamt sollen bei Lichtsituation, Wandbespannungen und bei den Beschriftungstexten Neuerungen kommen. Eine überbordende "barocke Hängung" wird es künftig in zwei Sälen geben: "Eigentlich lassen sich nur so die achteinhalb Meter hohen Wände erklären", so Ferino über die ursprüngliche Hängung bei der Museumserrichtung. Um auch die Bilder in den obersten Reihen gut sehen zu können, wünscht sich die neue Direktorin ein drehbares Fernrohr. Auf lange Sicht soll hier auch eine Zahl von Werken aus der lange geschlossenen Sekundärgalerie zum Zug kommen.
Dass die holländischen Gemälde, bisher in Saal 15 ausgestellt, eher in den "intimeren Rahmen der Eckkabinette passen", hat den großen Saal frei gemacht für die altdeutschen Meister: Eine Fülle von Hauptwerken der deutschen Schulen am Übergang von Mittelalter und Renaissance können nach ihrer langen Präsentation in den Kabinetten nun zum ersten Mal großzügig und auch aus weiterer Entfernung betrachtet werden. Zentral: Dürers "Allerheiligenaltar", der genauso wie Werke von Cranach oder Holbein zum "Urbestand des Hauses" gehört und "seit fast hundert Jahren nicht gebührend präsentiert" wurde.
Die Änderungsarbeiten in der Gemäldegalerie dauern zunächst noch bis Mai - dann wird sich der zeitgenössische belgische Künstler und Performer Jan Fabre in seiner Sonderschau "mit der Gemäldegalerie messen", so Ferino. Neben den "neuen Durchdenkung" der Präsentationsformen hat sich die neue Direktorin auch eine Sichtung der Bestände vorgenommen. Sorgenkind sind dabei die Werke der seit bald zwanzig Jahren geschlossenen Sekundärgalerie und ihr "zum Teil prekärer" Erhaltungszustand. "Bilder leiden, wenn sie nicht gesehen werden", gab sich Ferino mitfühlend und wünscht sich Sponsorgelder, um die notwendigen Restaurierungen vorantreiben zu können. Nach dem Auszug der Kunstkammer-Depots und deren Neueröffnung möchte sie zumindest einige Säle der Sekundärgalerie wiedereröffnen.
Von der Wiedereröffnung der Kunstkammer erhofft sich Generaldirektorin Haag nicht zuletzt auch einen weiteren Besucherzustrom: 2010 war mit 1.194.101 Besuchern und einem Plus von vier Prozent an allen Standorten bereits das erfolgreichste Jahr für das Kunsthistorische Museum seit der Ausgliederung 1999. Im Haupthaus am Ring (559.150 Besucher) gab es eine Steigerung von acht Prozent, auch Theatermuseum und Völkerkundemuseum konnten erhebliche Zuwächse verzeichnen. Diese Erfolge seien neben der "attraktiven Programmierung" und dem freien Eintritt für Kinder und Jugendliche vor allem auch dem hohen Absatz der neuen Jahreskarte zu verdanken, so Haag. Von dem um 29 Euro angebotenen Ticket wurden 33.000 Stück verkauft. (APA)
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sprichwort: neue besen kehren gut
scheint sich zu bewähren. auch die generaldirektorin hat schon viel
frischen wind hineingebracht. vielleicht erwachen auch die
weltberühmten tapisserien aus ihrem jahrhundertschlaf?
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