Salzburger Nachrichten am 16. November 2002 - Bereich: kultur
Szenen einer komplizierten Geschichte

Das Landesmuseum

von Niederösterreich hat eine komplizierte Geschichte. Stadt Wien und Land Nieder-österreich bildeten in der Zeit der Monarchie eine Einheit. Nach dem Ersten Weltkrieg kam man darauf, dass die beiden zusammen in der kleinen Republik ein zu mächtiges Übergewicht haben. Es kam 1922 zur Trennung. Von da an konnten sich beide Länder eigenständig entwickeln. Das Agrarland Niederösterreich richtete sich konservativ aus, während das rote Wien für neue gesellschaftliche Strömungen offen war. Die Vorstellung, dass das Land auch eine eigene Hauptstadt haben sollte, wurde erst sehr spät konkretisiert. Erst jetzt ist der Prozess der Hauptstadt-Werdung von St. Pölten abgeschlossen.

Bei der Trennung

der Sammlungsbestände ist es zwischen Wien und Niederösterreich nicht gerecht zugegangen. Wien konnte sich den Löwenanteil sichern. St. Pölten wurde nicht nur mit einem neuen Regierungsviertel, sondern auch mit einem Kulturbezirk ausgestattet. Für den Kulturbezirk entwarf Hans Hollein den Masterplan. Hier stehen das viel beachtete, von Klaus Kada geplante Festspielhaus, der Klangturm, Landesarchiv und Landesbibliothek von Paul Katzberger und Karin Bily sowie das ORF-Landesstudio von Peichl. Jetzt ist auch der Bereich für die bildende Kunst fertig gestellt: die umgebaute Shedhalle und das neue Landesmuseum.

Der ursprüngliche Plan

für das Landesmuseum war in seinen Dimensionen doppelt so groß wie das, was jetzt ausgeführt worden ist. Der Bereich für die Landeskunde wurde auf einen Raum reduziert, in dem 3-D-Filme vorgeführt werden. Ein weiterer Raum dient der individuellen Recherche: Die aufgestellten PCs sind mit allem Wissenswerten über Niederösterreich bestückt.

wth