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derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
10.05.2004
20:03 MEZ
Von
Ulrich Tragatschnig

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aktuellekunst-graz.at
 
Von Posen und Konventionen
Im Rahmen von "Aktuelle Kunst in Graz 2004" wurden einige Ausstellungen eröffnet

... die trotz bewusst nicht vorgegebenen Generalthemas eine Vielzahl von Überschneidungen und inhaltlichen Parallelen aufweisen.


Graz - Was hat Aktuelle Kunst in Graz mit dem vor Sol LeWitts Wall im Kunsthaus gegebenen Wall Concert des Alvin Lucier gemein? Einmal den Habitus als Aufeinanderfolge einzelgängerisch geplanter Sinnesreize: So wie verführerisch an- und abschwellende Töne darauf bedacht waren, nur ja nicht allzu eng aneinander zu geraten, wich der Reigen durch 19 Orte jedem schnöden Generalthema aus, um dann doch manche Überschneidungen in den Ober-, Unter- und Zwischentönen anzubieten.

Ähnlichkeiten auch im Ziel: Denn das Ausloten von Resonanz war in beiden Fällen Sinn der Übung. Drittens fand man hier wie dort Muße, seine Wahrnehmung zu prüfen. Vor LeWitts Wall bedeutet das etwa, lustwandelnd über Schwingung nachzudenken.

Vor Gerhard Frömels im Museum der Wahrnehmung gezeigten Wandobjekten dann: sich eines Standpunkts zu versichern, von dem aus die verwinkelten Beobachtungsgegenstände klar definierte geometrische Figuren bilden. Vor Sabina Hörtners für den Medienturm erstellter Installation eine Position zu finden, aus der heraus betrachtet, die gezeigte Überblendung vorgeprägter Muster zu einer räumlich vorstellbaren Ordnung sich fügt.

Die Hinterfragung von Wahrnehmungskonventionen kommt ohne Hinterfragung der wahrnehmend gewonnenen Bildwelten selten aus. Plakativ führt daher Daniele Buetti bei Eugen Lendl medial erzogene Klischees in der Gleichschaltung von Medium und Dargestelltem, Marke und Brandzeichen vor, indem er Fotos aus Modemagazinen von rückwärts die Namen führender Haute-Couture-Labels einschreibt, den solcherart gebrandmarkten Models damit Märtyrerposen andichtet.

Jörg Schlicks schizophrene Auseinandersetzung mit der eigenen Person bei Bleich-Rossi gibt sich dagegen doch recht milde, weil stets aufgehoben im großen, fest gefügten Ganzen. Ähnlich ergeht es Franz Xaver Ölzants bei Schafschetzy ausgestreuten Formen zwischen Molekülmodell, Korallenriff und Pferdeapfelhaufen, die der stete Drang des Kreatürlichen am Fließen hält.

Noch vor den Bildern aber kommt die Sprache. Entsprechend der Diktion Saussures analysiert sie Michael Dreyer im Grazer Kunstverein als auf uns allen lastendes System und deckt - im Porträtieren von Personen, die nach ausgewählten Texten gerade andere, berühmtere Personen spielen - das Sprechen (über andere) als Entstellung auf.

Erstmals war neben dem Kunsthaus auch der Österreichische Skulpturenpark ein Partner von Aktuelle Kunst in Graz. Neben den übrigen bereits dort abgestellten Kunstinterventionen aus dem Vorjahr wird möglicherweise auch LeWitts Wall hier ihre letzte Ruhestätte finden.
(DER STANDARD, Printausgabe, 11.5.2004)


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