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Kunstberichte

Uridee im Reich der Mimesis

Trotz Venusfülle fidel: Warlamis’

Trotz Venusfülle fidel: Warlamis’ "Mädchen". Reischer

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Wenn es eine Nachfolgerin der Metallbildhauer Constantin Brancusi und Henry Moore gibt, dann ist es Heidi Warlamis. Allerdings ist ihre Serie von Köpfen aus den Achtzigerjahren auch auf die Koren und Kuroi, die weiblichen und männlichen Kultfiguren der griechischen Frühzeit bezogen. Und weil auch Idole eine nicht unwesentliche Rolle spielen, betitelt die Künstlerin ihre Schau doppelsinnig "Skulpturen – Bronzezeit". Das kann nun die historische Vorzeit meinen, aber auch ihre Verwendung des Materials über einen bestimmten Zeitraum.

Ihre teils Venus-von-Willendorf-breiten, dennoch lustig springenden Göttinnen haben zuweilen halbe Monde oder Sternenkronen. Auch als kleine Bronzen kommen sie dem vorzeitlichen Ideal der "Großen Mutter" nahe, es gibt aber auch erotisch aktive Faune, die sich liegend oder stehend präsentieren.

Eine weniger heitere Welt spricht Warlamis in manchen ihrer Keramiken an, die Bandagen um die Augen oder den ganzen Kopf mit eingebrannt haben: eine Parallele zur Malerei Gottfried Helnweins. Ähnlich diesem Exportkünstler ist auch sie vor allem mit Design-Objekten international etabliert, brachte es sogar auf die Titelseite der "New York Times".

Die ehemalige Schülerin der Bildhauer Hans Leinfellner und Wander Bertoni auf der Angewandten hatte zuvor Kunstpädagogik und Malerei an der Bildenden, unter anderem bei Gustav Hessing studiert. Sie engagiert sich dankenswerterweise auf der ganzen Welt für die in Österreich so vernachlässigte Positionierung der Keramik. 1981 gründete sie mit "Vienna Collection" ihre eigene Manufaktur, mit der sie 1985 nach Schrems übersiedelte, wo sie bis heute das Designcenter Idea leitet.

Platonische Schatten

Mit dem Namen ihres Hauses, aber auch mit den "Schattenläufern I–IV" spielt Warlamis erneut auf die Antike an: ihre vorbeihuschenden Schatten sind auf Platons Höhlengleichnis, die bleibende Suche nach Urbildern seiner Ideenlehre zurückzuführen. Die Rauminstallation besteht nur aus schemenhaften Metallfiguren, deren Schatten spielen mit den Figuren auf den dahinter platzierten Gemälden. Im blauen "Waldläufer" mit seinen bunt bemalten Baumattrappen spannt sie da etwa einen Bogen von der klassischen Moderne und der Kunst Afrikas und Ozeaniens bis zu gegenwärtigen Positionen der Skulptur-Kunst.

Was Wer Wo Wie

Heide Warlamis. Skulpturen – Bronzezeit (Ausstellung von
Karin Zimmer, 2005)

Kunstraum Palais Porcia 1010 Wien, Herrengasse 23 01/531 15-75 10

Noch bis 5. Jänner

Heitere Ideenbilder großer Mütter.

Freitag, 09. Dezember 2005


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