Den als Heimatkunstfabrikanten diffamierten Albin Egger-Lienz (1868–1926) in den Tempel der Moderne hieven, das wollte Sammler Rudolf Leopold (82). Es kam anders – und härter. Seit Jahrzehnten wird über Gemälde zweifelhafter Provenienz in der Leopold-Sammlung gemunkelt. Nun blies Grünen-Kultursprecher Wolfgang Zinggl zum General-Angriff – 14 Gemälde in der Egger-Lienz-Schau: Raubkunst! Dass nur eines davon überhaupt aus der Leopold-Sammlung stammt, wen interessiert's?
Die Schlagzeilen waren fertig. Neben dem Budget gab es bei der Vorstandssitzung der Leopold-Stiftung diese Woche reichlich Debattenstoff. Mit einem Journalisten geriet Leopold in heftigen Streit. Dazu gibt es Gerüchte, er habe der Kultusgemeinde Geld angeboten, um ein Bild zu retten. Kultusgemeinde-Präsident Muzicant lehnte ab: Zu wenig. Muzicant und Leopold, da sind die richtigen Hitzköpfe beisammen. Leopold würde nie ein Bild hergeben, für Muzicant ist „seine“ Gemeinde das Wichtigste.
Aus dem mit namhaften Juristen reich bestückten Stiftungsvorstand heißt es, bei keinem der jetzt diskutierten Leopold-Bilder gebe es berechtigte Ansprüche. Ferner: Soll man bei externen Leihgaben dazuschreiben, dass die Provenienz verdächtig ist? Das würde die Leihgeber befremden.
Laut Satzung sei die Stiftung verpflichtet, die Einheit der Sammlung zu wahren. Der Vorstand ist weisungsfrei. Sollte der Staat Enteignungen beschließen, müsste er viel zahlen. Bildungsministerin Schmied rudert unterdessen zurück. Von juristischen Problemen, in die Stiftung einzugreifen, sprach sie diese Woche im Fernsehen. Ob sie sich, trotz der Hilfe des Verwaltungsgerichtshofpräsidenten Jabloner an eine Gesetzesnovelle wagen wird, ist zweifelhaft.
Aber vielleicht kommt es dazu gar nicht mehr. Sollte es Neuwahlen geben, werde Schmied abberufen, heißt es. Ein Nachfolger wird schon genannt: Josef Kirchberger, SP-Urgestein, bei den SP-Ministern Moritz und Hawlicek tätig, nun Geschäftsführer der Bundestheatertochter „Art for Art“. Pikant: Kirchberger lud Schmied in die SP-Gesellschaft für Kulturpolitik, deren Präsident er ist – und hat sie wohl auch sonst beraten. Zu den „Schwarzen“ könnte Schmied nach Ende ihrer politischen Karriere wechseln. Raiffeisen will der Kommunalkredit Konkurrenz machen, von dort kommt Schmied. bp
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.02.2008)
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