„,Weißt du schon, wer KHM-Chef wird?‘ ,Nein.‘...“ Falsch, es kommt jetzt nicht: „Eine Frau!“ So „bad“ ist der Witz dann doch wieder nicht – aber dazu später noch.
Schlechte Witze sind zurzeit unglaublich en vogue in der Kunstszene. Und die Kunst ist unglaublich en vogue in der Mode: Überall auf den schicken Anzeigen der Hochglanzzeitschriften hängen zurzeit sehr kunstbedruckte Stoffe an sehr mageren Schultern, die sich bevorzugt zwischen Farbtöpfen und Staffeleien – Achtung, Atelier! – verspannen.
Die Supersammlersgattin von Welt krallt sich zurzeit übrigens bevorzugt an den Henkeln von Louis-Vuitton-Taschen fest – die neueste Kollektion stammt nämlich von US-Starkünstler Richard Prince. Was hämische Beobachter der vorhersehbaren Prince-Bag-Crowd auf der kommenden „Art Basel“ gleich doppelt amüsieren kann: Begann Prince seine Karriere doch gerade mit dem Abfotografieren von Hochglanzmagazinseiten (Appropriation Art, die Kunst des subversiven Klauens auf gut Deutsch).
Und mutieren derart modeopferbereite
Damen wohl auch trotz tapferster Selbstironie zu lebenden
Sexistenwitzen: Auf die Taschen des berühmten Labels hat Prince nämlich
sein eigenes drucken lassen, einige „bad jokes“ seiner Witzebilder:
„Everytime I meet a girl who can cook like my Mother ...she looks like
my Father“ baumelt da etwa am zarten Handgelenk. Oder: „My wife went to
the beautyshop and got a mud pack. Two days she looked beautiful. Than
the mud fell off.“
Mein Prince-Lieblingswitz aber ist: „,My wife
is always asking for money. $200 one day, $150 the next, $125 after
that...‘ ,That's crazy', my friend said. ,What does she do with it?' ,I
don't know', I said. ,I never gave her any.‘“ Könnte ich mir – auf die
jeweiligen Kulturministerinnen und Museumsdirektoren umgemünzt – sehr
gut als schicken Stoffbeutelaufdruck vor irgendwelchen
Nationalratswahlen vorstellen. Zur „Österreich sucht den
KHM-Superstar“-Wahl aber würde ich folgenden Print empfehlen: „,Weißt
du schon, wer KHM-Direktor wird?‘ ,Nein.‘ ,Neil Shicoff!‘“
almuth.spiegler@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2008)
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