Eine Kunst, die Natur angreift
Galerie Welz. Die Linolschnitte des Salzburger Künstlers Wolfgang Richter sind abstrahierte Formen seiner Interventionen in der Natur.
Gudrun Weinzierl Salzburg (SN). Der Salzburger Künstler Wolfgang Richter hält Natürliches wie Künstliches fest: Brennnesseln, Spielbälle, Weidenäste, gestapelte, arrangierte Hölzer oder eine polymorphe bunte Kugel namens „Globo“. Seit Dienstagabend zeigt die Galerie Welz in der Sigmund-Haffner-Gasse 16 im ersten Stock seine Linolschnitte. Wie die vielfältigen Erscheinungsformen der Natur sind diese Linolschnitte jeweils Unikate, jedes Blatt weicht in der Farbigkeit und in seiner Form vom anderen ab.
Der künstlerische Dialog mit der Natur, das Aufspüren von Naturphänomenen und die Arbeit mit natürlichem Material sind von jeher Ausgangspunkt für Wolfgang Richters Kunstwerke. „Immer mehr komme ich drauf, dass die Natur und das Eingreifen in sie – zeitlich begrenzt in Form von Interventionen und ,Land Art‘ – meine Themen sind. Was ich als Kind gern im Wald, am Wasser, mit Erde und Sand gemacht habe, zu graben, aufzuschichten, zu bauen und so weiter, wird jetzt in kontrollierten, geplanten Prozessen umgesetzt, das ist für mich stimmig und authentisch“, sagt Wolfgang Richter.
„Spannend ist auch der Werdegang von der Idee bis zum fertigen Projekt, schon ein schriftlich fixiertes Konzept weicht oft von der ursprünglichen Idee ab, und die Umsetzung des Konzepts muss sich wiederum teils dem Material unterordnen.“
Alles selbst zu fertigen, ist für Richter Teil der Authentizität, ebenso der sorgsame Umgang mit den Materialien. Er versucht, Material möglichst ohne Abfall in ein künstlerisches Objekt zu überführen. „Das ist auch Tüftelei und Rechnen, viel Gedankenaufgabe, die man vielleicht und hoffentlich spürt, aber nicht sieht“, erläutert Wolfgang Richter.
Typisch für ihn ist die Behandlung einer Idee in mehreren Formen. Eine Naturintervention, ein „Land Art“-Projekt wird in Videos oder Filmen und fotografisch festgehalten. Fotografien wiederum sind Basis für die Auseinandersetzung im Linolschnitt. Das der Zeit und der natürlichen Verwandlung oder Zerstörung Unterworfene wird in technischen Medien oder in der Druckgrafik dauerhaft eingefangen.
Wolfgang Richter wurde in Ingolstadt geboren, studierte am Mozarteum bei Ruedi Arnold und ist in Salzburg Kunsterzieher an einem Gymnasium. Die teils als Diskrepanz und Hindernis erfahrene Tätigkeit als Künstler und Lehrer sieht er positiv: „Für mich greift vieles ineinander, es ergeben sich Synergien, denn oftmals gibt es durch das Verhalten oder die Ideen der Schüler Anregungen. Ich denke nicht, dass die Schule der Konkurrent der Kunst ist und umgekehrt.“
Wolfgang Richter wird am 3. Oktober in der Langen Nacht der Museen in der Galerie Welz die Technik des Linolschnitts vorführen.Linolschnitte von Wolfgang Richter und die Serie „Materia Loquitur“ von Maria Moser zeigt die Galerie Welz bis 10. Oktober, Montag bis Freitag, 9.30–18 Uhr, Samstag, 9.30– 13 Uhr.
