(19.04.02)
Künstlerhaus Wien
Bernhard Leitner: Soundspacesound 11.04.02 bis 21.07.02
Abhängen in der immateriellen Lounge
"Stereo
bringt den Raumklang in Ihr Wohnzimmer", begannen die
Demonstrationsplatten der Sechziger in beschwörendem Tonfall. Die
Installationen des 1938 geborenen Bernhard Leitner bringen das
sinnliche Erlebnis dreidimensionalen Hörens auch mit Dolby Surround
aufgewachsenen Generationen zurück. Leitners Arbeit hat ihren Ursprung
im Stereozeitalter. Seit 1968 geht sie vom konkret Räumlichen zum
Immateriellen: Vom handfesten Studium der Architektur zum Schaffen von
Räumen aus Klängen. Ließ der James Turrell der Akustik in den
Siebzigern Töne über Wände bestehender Räume wandern, so machte der
"Ton-Anzug" mit eingenähten Lautsprechern den Körper selbst zum
Resonanzraum.
Als "Innen-Welten" und "Selbst-Vermessungen" sind Leitners
akustische Räume auf das Individuum zentriert und teilweise nur von
jeweils einer Person zu nutzen. Ausdehnung und Einziehung der
Klangfolgen generieren räumliche Volumina. Statisch im integrierten
Metallfauteuil ruhend oder sich zwischen den Resonanzräumen vertikal
aufgehängter paralleler Stahlplatten bewegend bleibt der konstante
Klangraum Körper.
Die zeitliche Wahrnehmung von Raum in der eigenen Bewegung oder
wandernden Tönen führt letztlich auf den Körper zurück: Raumwahrnehmung
ist gleichzeitig Körperwahrnehmung in der Tradition der die
Raumauffassung der Moderne prägenden Theorien von August Schmarsow und
Adolf von Hildebrand. Es entstehen unsichtbare - oder in den
Entwurfzeichnungen schematisch dargestellte - Grafiken mit akustischen
Sinuskurven, Hyperbeln und Parabeln im Geiste Oskar Schlemmers und der
Bauhausbühne.
Iris Meder

Künstlerhaus Wien 1010 Wien, Karlsplatz 5 Tel: 01/587 96 63 http://www.k-haus.at Öffnungszeiten: täglich 10-18 h
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