Zum 70. Geburtstag – oder sogar früher – zeigen manche Künstler eine Retrospektive, schöpfen aus dem Talon ihres bisherigen Schaffens und ziehen die Trümpfe aus jahrzehntelanger Arbeit daraus hervor.
Nicht so Christian Ludwig Attersee, der sich selbst als „Kunstmaschine“ bezeichnet, dem allumfassender Gestaltungswille attestiert wird. Der berühmte österreichische Maler, Zeichner, Schriftsteller, Musiker und Bühnenbildner feierte seinen Ehrentag am Samstag in der Galerie Schloss Parz von Laurenz Pöttinger und Jacinta Mössenböck in Grieskirchen mit neuen Werken und zahlreichen Freunden, Kunstliebhabern und Fans.
Arbeiten aus den vergangenen zehn Jahren sind zum Großteil zum ersten Mal in der schlicht „Attersee“ betitelten Schau zu sehen. Einige Bilder sind direkt aus seinem Atelier auf Mallorca gekommen. Ein gemaltes Gedicht scheinen manche zu sein, liebreizend und gefällig die einen, andere auch schmerzlich und von dosierter Unruhe geprägt.
Die Arbeiten sind „Attersee“, seine beiden großen Blaus dominieren viele davon, das Blau des Himmels und das Blau des Wassers. Manchmal tauschen die Blaus ihre Plätze wie in „Blauparadies“, wo Wellen am Himmel wogen und der Himmel auf der Erde zu schwimmen scheint.
57 Positionen, ein ZyklusNeben den Blaus treten in der 57 Positionen und einen Zyklus umfassenden Ausstellung auch andere Farben in den Vordergrund, ein Werk überrascht ganz in Grün, andere schmeicheln in warmen orange-rot Tönen als dominierenden Farben.
Menschen, Figuren und Tiere sind manchmal nur Randfiguren, oft scheinen sie aber über all dem farbigen Wirbel zu stehen, der sich auf dem Bild tummelt.
Eindrücklich die „Schräge See“, Attersees Blaus in 90-Grad-Schräglage: eine Frau allein surft auf einer Welle, als berühre sie die verschobene Welt nicht im geringsten.
Der Zeichner tritt stärker in den Vordergrund, auch in den Acryl/Lackgemälden oder den Mischtechniken, vor allem aber in dem Zyklus „Tanz mit Bäumchen“, eine zehnteilige Serie von Figuren.
Plakativ, stark und in energischen, dominanten Strichen skizziert – das reicht einigen neuen Werken. Andere garniert Attersee mit seinen allegorischen Zeichnungen oder mit grafischen Elementen. Schon vor zehn Jahren sprachen manche von einer „Reduktion“ oder „neuen Wärme“ in Attersees Werk.
Auch in den soeben präsentierten Bildern kann man diese orten, etwa im 2010 entstandenen „Das Tor zum Leben“ – kaum wilde Farborgien, nur einzelne dicke Kleckse und eine Zeichnung, aber ihre Wirkung verfehlen Attersees Kreationen nie. Zu eindringlich ist die Kombination aus Farbe, Phantasie und sicherer Umsetzung. Zu viel zu erzählen hat der Maler und Zeichner, Lyriker und Phantast, auch mit 70 noch.
Info: Galerie Schloss Parz, bis 17. Oktober, Mi. bis So. 13 - 18 Uhr www.galerieschlossparz.at