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30.09.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung
Lichtes Quartier für Frankreichs Freiluft-Maler
VON NORBERT MAYER
Leopold Museum. "Impressionisten aus dem Pariser Musée d'Orsay" - eine feine Auswahl alter Meister.

A
n den französischen Impressionis ten, ihren Vorläufern, Gegnern und Nachfahren kann man sich auch satt sehen. Beinahe unmöglich scheint es, das Pariser Musée d'Orsay, diesen 1986 in eine Kunststätte umfunktionierten Bahnhof mit der größten Kollektion impressionistischer Kunst, in einem Durchgang zu bewältigen. So ist man erleichtert, dass sich Rudolf Leopold für die von ihm kuratierte, am Donnerstagabend eröffnete Impressionisten-Ausstellung in Wien auf rund 46 Meisterwerke aus Paris (und einen Renoir aus der Österreichischen Galerie Belvedere) beschränkt hat.

Leopold durfte die Werke persönlich aus einer vom Musée d'Orsay erstellten Liste aussuchen, und es ist ihm gelungen, einen Überblick über die Strömungen des 19. Jahrhunderts zu bieten. Eingangs informiert eine großzügige Zeittafel über die kunsthistorisch relevanten Ereignisse von 1830 bis 1914. Ein vierzig Minuten langer Film gibt zusätzliche Orientierungshilfe.

In vier Räumen des Leopold Museums wird Namhaftes von Gustave Moreau bis Vincent van Gogh gezeigt. Nie zuvor habe das Musée d'Orsay so viele Exponate verliehen, es handle sich um eine der exklusivsten Sonderausstellungen Wiens, betonen die Veranstalter, die sich im Gegenzug bei der Verleihung von Werken Klimts, Schieles, Kokoschkas und Mosers großzügig zeigen. "Wien um 1900" wird im Pariser Grand Palais ab 5. Oktober zu sehen sein. Erstmals hängen in Wien Klassiker der Moderne wie die "Tanzstunde" von Edgar Degas oder der "Pfeifer" von Edouard Manet.

Angenehm luftig wird die französische Schau im Leopold Museum auf unaufdringlich hellen Wänden präsentiert, freundlich tief gehängt. So kann man im zweiten Raum vier Gemälde von Cézanne, zwei von van Gogh, Gauguin und Renoir, eines des Belgiers van Rysselberghe sehen - elf Bilder nur, doch genügend Stoff, um den Begriff Impressionisten ad absurdum zu führen.

Das Wort war anfangs als Schmähung gedacht, für jene seltsamen Künstler mit der Kerngruppe um Pissarro, Monet und Degas, die 1874 im Fotoatelier Nadar am Boulevard des Capucines ausstellten, eine "Harmonie parallel zur Natur" forderten und auch ins Freie gingen, um ideale Bedingungen der Anschauung zu haben, um Licht, Luft und Wasser - kurz, den Augenblick - so wahr abzubilden, wie er empfunden wurde. "L'art pour l'art" lautete ihre Devise, die Salonmalerei war für sie verpönt, eine Fülle von Stilrichtungen entstand. Auch das kann man in der feinen, kleinen Schau sehen; diese frühe Moderne trieb viele Blüten. Die bunt zusammengewürfelte Gruppe von 30 Künstlern, die bei Nadar ausstellten, war von Anfang an nicht homogen. Sie war explosiv.

Zu den schönsten Eindrücken - aber das ist höchst subjektiv - zählt, wie Manet das Meer sah. "L'évasion de Rochefort" (1880/81) ist eine aufregende Komposition blauer Schatten, weißer Reflexionen, grüner Zwischentöne, und mittendrin in diesem Aufruhr das winzige Boot mit den Flüchtenden. Oder auch Claude Monets nicht weniger spektakuläre "Kathedrale von Rouen" (1893); eine Schule des Sehens. "Jeden Tag füge ich etwas hinzu und entdecke etwas, das ich noch nicht zu sehen wusste", schrieb der Künstler, als er die Serie schuf, im Halbstundentakt die Fassade aus fast identischem Blickwinkel malte und zu erstaunlich unterschiedlichen Ergebnissen der Wahrnehmung kam. Er hat diese 28 Bilder im Atelier überarbeitet. Die Spontaneität im Freien war nur der Ausgangspunkt für die Vollendung.

Neben Werken der Kerngruppe des Impressionismus sind auch Gemälde von Gustave Caillebotte ("Die Parkettschleifer") und Jean-François Millet ("Das Angelusläuten") zu sehen. Sie zeigen so wie das Frühwerk von Manet die Entwicklung aus dem Naturalismus. In den Werken von Paul Gauguin, Edouard Vuillard oder Félix Vallotton sieht man, wie divergent die Wege wurden, die in die Moderne führten. Da kann man sich leicht verlaufen, im Musée d'Orsay. Bei der Schau in Wien hingegen sicher nicht.

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