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| 30.09.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Lichtes Quartier für Frankreichs Freiluft-Maler | ||
| VON NORBERT MAYER | ||
| Leopold Museum. "Impressionisten aus dem Pariser Musée d'Orsay" - eine feine Auswahl alter Meister. | ||
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A Leopold durfte die Werke persönlich aus einer vom Musée
d'Orsay erstellten Liste aussuchen, und es ist ihm gelungen, einen
Überblick über die Strömungen des 19. Jahrhunderts zu bieten.
Eingangs informiert eine großzügige Zeittafel über die kunsthistorisch
relevanten Ereignisse von 1830 bis 1914. Ein vierzig Minuten langer Film
gibt zusätzliche Orientierungshilfe. In vier Räumen des Leopold Museums wird Namhaftes von
Gustave Moreau bis Vincent van Gogh gezeigt. Nie zuvor habe das Musée
d'Orsay so viele Exponate verliehen, es handle sich um eine der
exklusivsten Sonderausstellungen Wiens, betonen die Veranstalter, die sich
im Gegenzug bei der Verleihung von Werken Klimts, Schieles, Kokoschkas und
Mosers großzügig zeigen. "Wien um 1900" wird im Pariser Grand Palais ab
5. Oktober zu sehen sein. Erstmals hängen in Wien Klassiker der
Moderne wie die "Tanzstunde" von Edgar Degas oder der "Pfeifer" von
Edouard Manet. Angenehm luftig wird die französische Schau im Leopold
Museum auf unaufdringlich hellen Wänden präsentiert, freundlich tief
gehängt. So kann man im zweiten Raum vier Gemälde von Cézanne, zwei von
van Gogh, Gauguin und Renoir, eines des Belgiers van Rysselberghe sehen -
elf Bilder nur, doch genügend Stoff, um den Begriff Impressionisten ad
absurdum zu führen. Das Wort war anfangs als Schmähung gedacht, für jene seltsamen Künstler mit der Kerngruppe um Pissarro, Monet und Degas, die 1874 im Fotoatelier Nadar am Boulevard des Capucines ausstellten, eine "Harmonie parallel zur Natur" forderten und auch ins Freie gingen, um ideale Bedingungen der Anschauung zu haben, um Licht, Luft und Wasser - kurz, den Augenblick - so wahr abzubilden, wie er empfunden wurde. "L'art pour l'art" lautete ihre Devise, die Salonmalerei war für sie verpönt, eine Fülle von Stilrichtungen entstand. Auch das kann man in der feinen, kleinen Schau sehen; diese frühe Moderne trieb viele Blüten. Die bunt zusammengewürfelte Gruppe von 30 Künstlern, die bei Nadar ausstellten, war von Anfang an nicht homogen. Sie war explosiv. Zu den schönsten Eindrücken - aber das ist höchst
subjektiv - zählt, wie Manet das Meer sah. "L'évasion de Rochefort"
(1880/81) ist eine aufregende Komposition blauer Schatten, weißer
Reflexionen, grüner Zwischentöne, und mittendrin in diesem Aufruhr das
winzige Boot mit den Flüchtenden. Oder auch Claude Monets nicht weniger
spektakuläre "Kathedrale von Rouen" (1893); eine Schule des Sehens. "Jeden
Tag füge ich etwas hinzu und entdecke etwas, das ich noch nicht zu sehen
wusste", schrieb der Künstler, als er die Serie schuf, im Halbstundentakt
die Fassade aus fast identischem Blickwinkel malte und zu erstaunlich
unterschiedlichen Ergebnissen der Wahrnehmung kam. Er hat diese 28 Bilder
im Atelier überarbeitet. Die Spontaneität im Freien war nur der
Ausgangspunkt für die Vollendung. Neben Werken der Kerngruppe des Impressionismus sind auch
Gemälde von Gustave Caillebotte ("Die Parkettschleifer") und Jean-François
Millet ("Das Angelusläuten") zu sehen. Sie zeigen so wie das Frühwerk von
Manet die Entwicklung aus dem Naturalismus. In den Werken von Paul
Gauguin, Edouard Vuillard oder Félix Vallotton sieht man, wie divergent
die Wege wurden, die in die Moderne führten. Da kann man sich leicht
verlaufen, im Musée d'Orsay. Bei der Schau in Wien hingegen sicher nicht.
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