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Die Kunst des Rückwärts

19.07.2007 | SN
Die Salzburger Galerie 5020 ist am Projekt "Urban Potentials" mit einer Ausstellung, Vorträgen und Aktionen beteiligt. Da findet sich manch Witziges. ERNST P. STROBL

ERnst P. Strobl Salzburg (SN). Im Jahr 2006 lud die deutsche Stadt Dresden aus Anlass der 800-Jahr-Feier verschiedene europäische Kunstinstitutionen und Künstler ein, sich am von der EU geförderten Projekt "Urban Potentials" (UP) zu beteiligen. Ein Projekt mit Nachhaltigkeit: Künstler aus Dresden, Rotterdam, Budapest und Breslau engagierten sich, auch Salzburg und seine Künstler konnten mit den Erfahrungen als geplagter und viel diskutierter Stadtraum nicht hintanhalten.

Hildegard Fraueneder, Leiterin der Galerie 5020 in Salzburg, fand junge Künstler, die mit frechen Ideen sich Gedanken machten über die Entwicklungschancen der Stadträume unserer Tage. Zeichen des Anstoßes und Anregungen zu geben, damit hat die junge kreative Szene kein Problem. In Salzburg fühlten sich besonders die Künstler mit Hang zum Aktionismus aufgerufen, Denkanstöße der besonderen Art beizusteuern.

Ein nettes Beispiel: Am Donnerstag staunten Fußgänger nicht schlecht, als ein Paar die Stadt Salzburg rückwärts durchquerte. Aufgeregt hat sich niemand, der am häufigsten geäußerte Satz, den Sylvia Winkler und Stephan Köperl zu hören bekamen, war "Hoaß is". Was die beiden bewog, die Stadt "Rueckgaengig" - so der Projekttitel - zu erforschen? Sie seien darauf spezialisiert, durch Verrückungen Irritationen hervorzurufen, und vor allem hätten sie in der Stadt Salzburg nicht einfach an irgendeinem Platz eine Aktion durchführen, sondern den gesamten Stadtraum zur Spielwiese machen wollen, sagten die beiden.

Der Gedanke, rückwärts zu gehen, kam dem Künstlerduo bei einem Aufenthalt in China, den ein Stipendium ermöglichte. Dort übten die Menschen zur Entspannung von Muskelpartien systematisch die Rückwärtsbewegung aus. Das Muskeltraining spielte bei Sylvia Winkler und Stephan Köperl keine Rolle in den Überlegungen, obwohl - siehe Hitze - es gar nicht so leicht sein muss, stundenlang im Rückwärtsgang über den heißen Asphalt zu gehen, sicherheitshalber ein Auge nach hinten gerichtet. Unsereiner ist ja in jeder Hinsicht mit dem Blick nach vorn unterwegs.

Junge Kunst mitalter Dokumentation Übrigens wurde der lange Marsch nicht fotografisch oder per Video dokumentiert, was heutzutage verblüfft. Denn die beiden Rückwärtsgeher fanden ein anderes, altmodisches Mittel. Ausgestattet mit Rad begleitete Stefanie Grünangerl den Weg von einer "Urban Potential"-Station zur anderen. Sie wird darüber einen kurzen Bericht in schriftlicher Form abgeben.

Eine Zeugin gibt es also. Was die "rückgängige" Wanderung wirklich auslöst, bleibt verborgen. Wer sich mit "Urban Potential" befassen möchte, ist in der Galerie 5020 willkommen.Information: www.galerie5020.at

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