Gene als verschlüsseltes Selbstporträt
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Valie Export: "Jump 2", 2009. Foto: Archiv Valie Export/VBK
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Von Julia Urbanek

"Ich weiß
nicht, wie man die Liebe macht. Wie ich weiß, ‚macht‘ man die Liebe
nicht." Das insgesamt siebenstrophige Anagramm von Unica Zürn hängt auf
transparenten Folienstreifen von der Decke. Die Sätze sind zerschnitten,
die Silben auseinandergerissen. Valie Exports "Der Riss im Wort" aus
dem Jahr 1994 teilt den großen Ausstellungsraum im Linzer Kunstmuseum
Lentos und ist symptomatisch für den oberösterreichischen Part der
großen Jubiläumsausstellungen. Im Kontrast zum barocken Ambiente im
Wiener Belvedere bewegt man sich hier, in Valie Exports Geburtsstadt,
zwischen weitläufigen nackten Betonwänden, wo vor allem textliche
Arbeiten und Zitate aus performativen Werken gezeigt werden. Etwa der
Salzburger Zyklus aus 2001, ein Kunst-am-Bau-Auftrag für das Salzburger
Allgemeine Krankenhaus: Valie Export kombiniert Schwarzweiß-Aufnahmen
der Außenfassade des Krankenhauses mit Bildern von Krankenschwestern,
die Treppen auf deren Gesichtern tragen Texte von Rosa Pock und H.C.
Artmann.
Der Fokus des Gezeigten liegt, wie in Wien, auf den
vergangenen 20 Jahren, für eine Retrospektive seien Valie Export und
ihre Arbeiten noch zu jung, sagt Kuratorin Angelika Nollert.
Valie Exports Grundthemen, Politik und Feminismus, bestimmen die
Werke: Etwa in der berührenden Installation "Rec Date: 19930930 Killari
Village", die trauernde Frauen nach einem Erdbeben in Indien zeigt. Die
düsteren Bilder aus dem Jahr 1993 erinnern an biblische Ikonografie, die
Mienen der Frauen mit ihren Kopftüchern an die Frauen am Grab Jesu.
Verstörend sind die gesichtslosen Köpfe aus Aluminium, Bronze und
Wachs in "Heads-Aphärese", die durch schwarze Löcher in den Raum
starren, hinter ihnen in schneller Abfolge Bilder von toten Menschen.
Zu Exports weltberühmten Arbeiten gehört das Tapp und Tastkino aus
1968, das zwischen den neueren Arbeiten für Linz angekündigt war. Aus
Platzgründen ist die Dokumentation der legendären Performance, in der
Valie Export Menschen aufforderte, durch einen Kasten ihre nackten
Brüste zu berühren, nun Teil des Katalogs – nicht aber der Ausstellung.
Export tritt auch in aktuellen Arbeiten selbst in Aktion – wenn sich
auch die Sprache verändert hat: "Spuren: ID GRAVIS" (2000/01) zeigt auf
durchsichtigen Paravents ein verschlüsseltes Selbstporträt: die
chiffrierte Biografie und den Gencode Exports.
Ausstellung
Zeit und Gegenzeit
Werke von Valie Export
Bis 30. Jänner 2011
Lentos Kunstmuseum Linz
http://www.lentos.at
Printausgabe vom Samstag, 16.
Oktober 2010
Online seit: Freitag, 15. Oktober 2010 16:49:00
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