Yoko Ono, aufgelöst in eine Vielzahl aus Pixeln,
verschwommen, erst mit zusammengekniffenen Augen klar erkennbar. Die
Verfremdung umgibt Onos Gesicht mit einer zeitlosen Aura, macht es zum
Frauengesicht, in das alle anderen eingeschrieben sind. "Portrait of Nora"
heißt das Bild, Hommage an eine Frau, die ihr Leben selbst in die Hand
genommen hat. Ein Mann - Henrik Ibsen - gab ihr die Sprache. Yoko Ono hat
die ihre gefunden, auch in ihrem Leben spielten Männer eine wesentliche
Rolle.
Aus den Gesichtszügen des Vaters, des Gatten und des
Sohnes hat Ono per Computer ein Bild komprimiert, das letztlich sie selbst
zeigt. Aus diesen Männeraugen reflektiert sie in einer langen Serie unter
Plexiglas ihr Leben, benennt die Arbeiten chronologisch. Vom Geburtshelfer
"Doctor 1" bis hin zum Tod.
In den fünfziger Jahren war Yoko Ono mit George Maciunas,
John Cage, Merce Cunningham unter den treibenden Kräften der
Fluxus-Bewegung. Als Künstlerin blieb sie nie stehen, beschäftigt sich bis
heute intensiv mit den Medien, die sie nutzt. Ältere theoretische Texte
zur Photographie - in zarter Bleistifthandschrift - hängen an der Wand.
Betrachtungen zum Film, auf der Maschine getippt. Ihre aktuellen Arbeiten:
mehrmals überlagerte, computergenerierte Photographien. Ono nutzt souverän
neue Technologien, um Fragen nach Wahrnehmung und Wirklichkeit zu stellen.
"From My Window" paßt gut zu einem Filmfestival. Nicht
nur Onos formalistisch-radikale Filme haben etwas durch und durch
Filmisches. Auch ihre Photos erzählen Geschichten. Die Blicke, die sie aus
ihrem Fenster wirft, richten sich ins Innere, auf Erinnerungen,
Reflexionen zum eigenen Leben. Und doch auch auf Allgemein-Gültiges:
Reifen, Wachstum, Frau-Sein. Historische Aufnahmen von
Psychiatrie-Patientinnen blicken auf vier Stalin-Büsten, teilweise mit
Spuren massiver Gewalt in ihren Gesichtern. Stalin wird flankiert von
einer anderen Serie: Porträts mit Balken vor den Augen.
Dann die kleine Yoko als Volksschülerin, ein waches Kind.
Umrahmt vom Fenster von Onos heutiger Wohnung, durch das man das
historische Bild einer Hexenverbrennung sehen kann. Ein anderes Bild: der
1980 ermordete John und Yoko vor demselben Fenster. Schatten der
Geschichte, lebendig in der Erinnerung.
Bis 6. 11., Galerie Klaus Engelhorn, Wien 1,
Stubenring 20, Di. 11 bis 20 Uhr, Mi. bis Fr. 11 bis 19 Uhr.
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