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Kunstberichte

Reedereien und die mondänen Ladies

MAK Kunstblättersaal: Plakatdesign nach Joseph Binder – Arbeiten von Lilly Auböck, Peter Tölzer und anderen
Alois Rudolf Gaiggs Plakat für den Norddeutschen Lloyd Bremen aus dem Jahr 1929. Theresa Schwarzacher/MAK

Alois Rudolf Gaiggs Plakat für den Norddeutschen Lloyd Bremen aus dem Jahr 1929. Theresa Schwarzacher/MAK

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Als dritte Schau einer Serie über den revolutionären österreichischen Designer Joseph Binder (1898–1972), Schöpfer des "Meinl-Mohren" (1924), zeigt das MAK Arbeiten von wesentlichen Mitarbeitern und Nachfolgern Binders.

1938 ist Binder, ein Schüler von Bertold Löffler an der Angewandten, endgültig nach New York emigriert. Bereits 1934 hatte er sich erstmals als gefragter Pädagoge auf seinem Gebiet in Amerika aufgehalten und sein theoretisches Werk über den Umgang mit Kontrastfarben im Plakatdruck "Colour in Advertising" veröffentlicht.

Parallel zu seiner Ausbildung in Malerei bei Löffler hatte Binder mit Friedrich (Fred) Taubes, Elisabeth (Lilly) Auböck und Adolf Streit das Grafikatelier Esbeta in Wien begründet. Viele Einzelheiten zu diesem aus den Anfangsbuchstaben der Protagonisten benannten Unternehmen waren bisher unbekannt – auch konnten erstmals Plakate einzelnen Mitgliedern zugeordnet werden, und es konnten mit Hilfe der Erben Unklarheiten in der Zuschreibung geklärt werden.

So signierte Lilly Auböck oft mit dem Namen ihres Ehemannes Streit, dem die Plakate dadurch zugeschrieben wurden. 1924 wurde daraus das "Atelier Joseph Binder". Es war besonders erfolgreich in der Zusammenarbeit mit Firmen wie Persil, Arabia, Meinl und Bensdorp, hatte aber auch ein Standbein in der Fremdenverkehrswerbung.

Einfluss von Adolf Loos

Neben Elementen der Wiener Werkstätte flossen Ideen des Bauhauses ein und Adolf Loos’ Vorstellungen von einer klaren Architektur mit ihrer Absage an das Ornament als Selbstzweck zeigten Wirkung, etwa im Plakat von Peter Tölzer zur Wohnbauanleihe von 1931.

Im Zuge der Vorbereitungsarbeiten zu der Ausstellung wurde auch der Vorläufer des Meinl-Mohren entdeckt, ein exotisch geschmückter Schwarzer in äußerst abstrakter Formgebung für den Kokosfett-Erzeuger Kunerol von 1922. Willi Baumeisters Plakat für Esbeta mit seiner starker Orientierung an Oskar Schlemmer ist die einzige einschlägige Arbeit des Künstlers, der primär als Maler und Bühnenbildner tätig war.

Den Ruhm des Ateliers nach außen getragen hat aber Lilly Auböck mit "Weiße Wochen" für Berlin 1930: Ihre mondänen Ladies passen sich dem modischen Zeitgeschmack an. Sie bringt damit aber auch Lebendigkeit und einen persönlichen Stil ein.

Gleiches gilt für Margit Sidonie Doppler-Kovacs, die im Bereich Filmplakat erfolgreich war. Auch Charlie Chaplins "Lichter der Großstadt" und den heute wenig bekannten Weltstar Anna Sten – mit Zigarette im Mundwinkel eine typische Emanze der Dreißigerjahre – bedienten ihre Entwürfe.

Mit Binder gemeinsam entwarf sie 1930 das erste Persilplakat "Die Stütze der modernen Hausfrau". Bekannt wurde Doppler-Kovacs allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihren zahlreichen Entwürfen für die Firma Kirstein Blockmalz: Die zusammengesetzten Hustenbonbon-Männchen von 1955 sind auch heute noch in Erinnerung. Doppler-Kovacs’ Tochter Xenia Katzenstein ist übrigens eine der Leihgeberinnen dieser Schau.

Angepasste und Emigranten

Ein weiterer wichtiger Assistent Binders war Alois Rudolf (Lois) Gaigg, der 1929 mit den drei Schiffen für die Norddeutsche Lloyd Bremen A.G. berühmt wurde und 1940 ein dramatisch nächtlich inszeniertes Plakat für das Deutsche Opernhaus schuf, auf dem schon das Hakenkreuz zu finden ist.

Die meisten Binder-Assistenten sind jedoch emigriert – wie Muni Lieblein, der in den USA Buchcover schuf und heute 92-jährig in New Jersey lebt.

Seit 1996 ist der Binder-Nachlass im MAK und mit bereits drei Ausstellungen gewürdigt. Die Kunstplakate des MAK sind parallel dazu in Gänze über eine ins Netz gestellte Datenbank abrufbar.

Mittwoch, 14. Dezember 2005


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