Als dritte Schau einer Serie über den
revolutionären österreichischen Designer Joseph Binder (1898–1972),
Schöpfer des "Meinl-Mohren" (1924), zeigt das MAK Arbeiten von
wesentlichen Mitarbeitern und Nachfolgern Binders.
1938 ist Binder, ein Schüler von Bertold Löffler an der Angewandten,
endgültig nach New York emigriert. Bereits 1934 hatte er sich erstmals als
gefragter Pädagoge auf seinem Gebiet in Amerika aufgehalten und sein
theoretisches Werk über den Umgang mit Kontrastfarben im Plakatdruck
"Colour in Advertising" veröffentlicht.
Parallel zu seiner Ausbildung in Malerei bei Löffler hatte Binder mit
Friedrich (Fred) Taubes, Elisabeth (Lilly) Auböck und Adolf Streit das
Grafikatelier Esbeta in Wien begründet. Viele Einzelheiten zu diesem aus
den Anfangsbuchstaben der Protagonisten benannten Unternehmen waren bisher
unbekannt – auch konnten erstmals Plakate einzelnen Mitgliedern zugeordnet
werden, und es konnten mit Hilfe der Erben Unklarheiten in der
Zuschreibung geklärt werden.
So signierte Lilly Auböck oft mit dem Namen ihres Ehemannes Streit, dem
die Plakate dadurch zugeschrieben wurden. 1924 wurde daraus das "Atelier
Joseph Binder". Es war besonders erfolgreich in der Zusammenarbeit mit
Firmen wie Persil, Arabia, Meinl und Bensdorp, hatte aber auch ein
Standbein in der Fremdenverkehrswerbung.
Einfluss von Adolf Loos
Neben Elementen der Wiener Werkstätte flossen Ideen des Bauhauses ein
und Adolf Loos’ Vorstellungen von einer klaren Architektur mit ihrer
Absage an das Ornament als Selbstzweck zeigten Wirkung, etwa im Plakat von
Peter Tölzer zur Wohnbauanleihe von 1931.
Im Zuge der Vorbereitungsarbeiten zu der Ausstellung wurde auch der
Vorläufer des Meinl-Mohren entdeckt, ein exotisch geschmückter Schwarzer
in äußerst abstrakter Formgebung für den Kokosfett-Erzeuger Kunerol von
1922. Willi Baumeisters Plakat für Esbeta mit seiner starker Orientierung
an Oskar Schlemmer ist die einzige einschlägige Arbeit des Künstlers, der
primär als Maler und Bühnenbildner tätig war.
Den Ruhm des Ateliers nach außen getragen hat aber Lilly Auböck mit
"Weiße Wochen" für Berlin 1930: Ihre mondänen Ladies passen sich dem
modischen Zeitgeschmack an. Sie bringt damit aber auch Lebendigkeit und
einen persönlichen Stil ein.
Gleiches gilt für Margit Sidonie Doppler-Kovacs, die im Bereich
Filmplakat erfolgreich war. Auch Charlie Chaplins "Lichter der Großstadt"
und den heute wenig bekannten Weltstar Anna Sten – mit Zigarette im
Mundwinkel eine typische Emanze der Dreißigerjahre – bedienten ihre
Entwürfe.
Mit Binder gemeinsam entwarf sie 1930 das erste Persilplakat "Die
Stütze der modernen Hausfrau". Bekannt wurde Doppler-Kovacs allerdings
erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihren zahlreichen Entwürfen für die
Firma Kirstein Blockmalz: Die zusammengesetzten Hustenbonbon-Männchen von
1955 sind auch heute noch in Erinnerung. Doppler-Kovacs’ Tochter Xenia
Katzenstein ist übrigens eine der Leihgeberinnen dieser Schau.
Angepasste und Emigranten
Ein weiterer wichtiger Assistent Binders war Alois Rudolf (Lois) Gaigg,
der 1929 mit den drei Schiffen für die Norddeutsche Lloyd Bremen A.G.
berühmt wurde und 1940 ein dramatisch nächtlich inszeniertes Plakat für
das Deutsche Opernhaus schuf, auf dem schon das Hakenkreuz zu finden ist.
Die meisten Binder-Assistenten sind jedoch emigriert – wie Muni
Lieblein, der in den USA Buchcover schuf und heute 92-jährig in New Jersey
lebt.
Seit 1996 ist der Binder-Nachlass im MAK und mit bereits drei
Ausstellungen gewürdigt. Die Kunstplakate des MAK sind parallel dazu in
Gänze über eine ins Netz gestellte Datenbank abrufbar.
Mittwoch, 14. Dezember
2005