Martin Behr Graz (SN). Der Künstler Werner Reiterer bringt das Grazer Kunsthaus zum Schnaufen: Immer, wenn ein Besucher der Aufforderung zum Geschrei nachkommt, ist ein lautes Atemgeräusch zu hören, und das Licht flackert. Installative Szenarien wie "Breath" dominieren die Personale, die am Freitagabend eröffnet worden ist. Humor ist in der österreichischen Kunst kein Fixthema, wohl aber möglich. Das stellt Werner Reiterer in der Personale "Auge lutscht Welt" unter Beweis.
Ein anderes Beispiel: Über einen Lautsprecherturm werden Besucher erst motiviert, näher zu kommen, dann grob beschimpft und aufgefordert, zu verschwinden: "Come closer to Leave!" Oder: Die an eine Sauerstoffflasche angeschlossene Künstlerpuppe schwebt im Raum, die "Hardcore-Version" der Schwerelosigkeit amüsiert ob ihres infantilen Charmes. "Anfänge der Raumfahrt", nennt Werner Reiterer diese Installation.
Werner Reiterers Arbeiten haben doppelte Böden, bedienen sich eines schwarzen Humors und zielen auf Irritation ab. Der dunkle Schatten, den die uns umgebende Wirklichkeit bei näherer Betrachtung wirft, motiviert ihn zu ironisch-subversiven Befragungen. "Kunst arbeitet per se immer daran, neue Lesarten zu entwickeln, wie man die Welt sehen kann", sagt der 43-jährige, in Wien lebende Steirer.
Der "Space 02" - also der erste Stock - des Kunsthauses Graz verströmt sympathisches und nicht vordergründiges Geisterbahn-Flair. Hier ist das Paradoxon des ewigen Sterbens ein Thema, da geleitet der Künstler sein Publikum zu den menschlichen Abgründen. Zwischen den Positionen eines Erwin Wurm oder eines Mauricio Cattelan findet Werner Reiterer eine eigenständige Rolle als hinterhältiger Kunstfallensteller, der die Betrachter fordert und nicht einlullt.
Das Trockendock seiner Gedankenspiele ist die Grafik. In der 1996 begonnen Serie "Die gezeichneten Ausstellungen" visualisiert er mit dem Bleistift Projektideen voll bitterböser Komik. (Bis 13. Mai)Internet: www.kunsthausgraz.at






