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derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
06. Dezember 2007
18:15 MEZ
Foto: Hejduk
Durchschritt den Raum in gekonnter Zeitlupen-haftigkeit: der dänische Künstler Olafur Eliasson bei seiner spontanen Showeinlage im Architekturzentrum Wien

Der Raum, die Zeit, die Unendlichkeit
Die Friedrich-Kiesler-Stiftung feierte ihr zehnjähriges Bestehen mit einem Symposion

Wien – Eine große Menge vor allem sehr junger Menschen strömte kürzlich in das Architekturzentrum Wien, wo die Friedrich-Kiesler-Stiftung zu einem Symposium geladen hatte. Anlass war das zehnjährige Bestehen der Institution, die den Nachlass des Grenzgängers Kiesler (1890–1965) auf lebendige Art pflegt.

Das Thema lautete "Modelling Space". Die Frage, welche Rolle Kieslers seinerzeit avantgardistisches Raumdenken im heutigen Architektur- und Kunstschaffen spielt, wurde unter anderem von Olafur Eliasson, Hani Rashid und Ben van Berkel beantwortet.

Doch zuvor rang die Kunsthistorikerin Antje von Graevenitz im Rahmen ihres Vortrags über Kieslers Entwurf für ein galaktisches Leben auf Erden mit den irdischen Unbilden von Diaprojektion und Mikrofon, was ihren Ausführungen über den Raum und die Unterschiede zwischen Grenzenlosem und Unendlichem eine konfus-sympathische Note gab. Es bedurfte der vorzüglichen Moderation Elke Krasnys, ihre Rede in der Endlichkeit zu verankern.

Denn selbstverständlich drängten die Architekten auf die Gelegenheit, ihre aktuellen Projekte anzupreisen. Hani Rashid vom New Yorker Architekturbüro Asymptote bombardierte das Publikum mit Bildern seiner tatsächlich raumgewordenen Entwürfe. Doch verschlungene Shops in New York und Wohntürme für Abu Dhabi im Sieben-Sterne-Segment samt Swimmingpool pro Wohneinheit hinterließen einen leicht schalen Nachgeschmack, den Olafur Eliasson durch eine spontane Show-Einlage nicht vertrieb, sondern quasi geschmacksverstärkte.

Er sei, so sprach er, sprachlos anbetrachts dieser Werke und voll der Bewunderung. Doch er selbst beschäftige sich derzeit angesichts der Rasanz des allgemeinen Tempos, das mitzuhasten er nicht gedenke, vielmehr mit der Kunst, die Zeit zu verlangsamen. Sodann durchschritt er den Bühnenraum in gekonnter Zeitlupenhaftigkeit und Rashid saß ein wenig betreten unter seinen Hochhausrenderings.

Ein kathartischer Moment, in dem der Geist Kieslers durch Zeit und Raum zu wehen schien: Denn innezuhalten und die kommerzielle Hysterie, die uns alle umgibt, aus anderer Perspektive zu betrachten ist der leichtfüßigeren Kunst freilich eher zugestanden als der Architektur. Ben van Berkel legte sodann eine Werkschau seiner Neuigkeiten vor und demonstrierte die komplizierte Verschmelzung von Räumen anhand seines beeindruckenden Mercedes-Museums in Stuttgart.

Um Grenzen und Gemeinsamkeiten zwischen Kunst und Architektur weiter auszuloten, plant die Kiesler-Stiftung ab März in ihren Räumen eine Ausstellung von und über die britischen Architekten Future Systems. Das New Yorker Drawing Center wird 2008 Kiesler-Zeichnungen zeigen. Im Kunsthaus Bregenz wird Eliasson 2009 den Rahmen für die Ausstellung "Kiesler zwischen Kunst und Architektur" spannen. Ein endloses Thema, unendlich weit gefasst. (Ute Woltron / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.12.2007)


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