
Wien - Der japanische Architekt Toyo Ito erhält den Friedrich Kiesler-Preis für Architektur und Kunst 2008. Die mit 55.000 Euro dotierte Auszeichnung "für hervorragende Leistungen im Bereich der Architektur und der Künste, die den experimentellen und innovativen Auffassungen Friedrich Kieslers und seiner Theorie der 'correlated arts' entsprechen", wird seit 1998 alle zwei Jahre alternierend von der Republik Österreich und der Stadt Wien verliehen. Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny würdigte den Architekten in einer Aussendung als einen "visionären und kühnen Denker".
Die internationale Jury würdige mit Ito einen Architekten, der "ungeachtet vorherrschender Modeströmungen grundlegende architektonische Fragestellungen hinsichtlich ihrer soziokulturellen Wirkungsweisen verfolgt". In den 1980er Jahren feierte Toyo Itos Architektur "durch konzeptionelle Leichtigkeit, die sowohl Konstruktion, Material und Farbgebung betrifft, das nomadische Leben und die Mediatisierung unserer Welt", heißt es in einer Aussendung der Kiesler-Stiftung Wien. Seit den 1990er Jahren stelle sich Toyo Ito der "Herausforderung, eine neue Verbindung zwischen Architektur und Natur, jenseits modernistischer Konzepte, zu schaffen".
"Fluid Space"
Die Preisverleihung findet am 16. Oktober um 11 Uhr im Wiener Rathaus statt, erstmals hält der Preisträger auch eine Vorlesung an der Technischen Universität Wien. Am selben Tag nämlich hält Ito um 19 Uhr die erste "Kiesler Lecture" im Audi Max der Technischen Universität Wien, die vom Institut für Architektur und Entwerfen der TU Wien in Kooperation mit der Kiesler Stiftung Wien veranstaltet wird. Ebenfalls auf dem Programm steht die Ausstellung "Toyo Ito _ Fluid Space", die in den Räumlichkeiten der Stiftung eine Auswahl von Projekten des Architekten präsentiert.
Toyo Ito wurde 1941 im von Japan annektierten Korea geboren und schloss sein Studium der Architektur 1965 an der Universität Tokio ab. Er arbeitete zunächst von 1965 bis 1969 für das Architektenbüro "Kiyonori Kikutake Architect and Associate" und gründete 1971 sein eigenes Büro. Zu Beginn seiner Karriere entwarf Ito zahlreiche Privathäuser. Ito machte sich aber bald einen Namen als konzeptioneller Architekt, der physische und virtuelle Welt ineinander verschmelzen lässt. Er spricht mit seinen Werken Fragen der zeitgenössischen Vorstellung eines "simulierten" Ortes an. Seine Bauten findet man u. a. in Tokio, Frankfurt, Singapur, Taiwan und London. (APA)