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Kunstberichte
Postume Ehre für den deutschen Künstler bei der Kunstbiennale Venedig

Goldener Löwe für Schlingensief-Pavillon

Ein abstraktes Bild im Innenraum des Deutschen Pavillons, der die Arbeit von Christoph Schlingensief mit seinem Werk "Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir" würdigt.

Ein abstraktes Bild im Innenraum des Deutschen Pavillons, der die Arbeit von Christoph Schlingensief mit seinem Werk "Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir" würdigt. (© dpa/Felix Hörhager )

Von WZ Online

Aufzählung US-Amerikaner Christian Marclay
als bester Künstler ausgezeichnet.
Aufzählung Ehrenlöwe unter anderem für den Wiener Künstler Franz West.

Venedig. Der deutsche Pavillon und damit der verstorbene Künstler Christoph Schlingensief haben bei der Kunstbiennale von Venedig den Goldenen Löwen gewonnen. Der Preis für den besten nationalen Beitrag wurde am Samstag bei der offiziellen Eröffnung der diesjährigen Kunstausstellung verliehen.

Aufzählung Venedig erleuchtet

Der mit Gestaltung des Pavillons beauftragte Theater-, Opern- und Filmregisseur Schlingensief war im vergangenen August im Alter von 49 Jahren an Krebs gestorben. Die Kuratorin Susanne Gaensheimer übernahm danach die Aufgabe, Schlingensiefs Projekte in dem Pavillon zu präsentieren. Als bester Künstler wurde der US-Amerikaner Christian Marclay für sein Werk "The Clock" ausgezeichnet, ein Ehrenlöwe ging an den Wiener Franz West.

"Eine Form von Schizophrenie war für meine Arbeit und mein Leben schon immer typisch", sagte Christoph Schlingensief einmal. Das war im Mai 2010, nur wenige Monate vor seinem Tod. Kuratorin Gaensheimer, die Direktorin des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt, hatte Schlingensief mit der Gestaltung des Pavillons beauftragt - weil er "einer der ganz bedeutenden Künstler" Deutschlands sei. Nach seinem Tod musste sie umplanen, entschied sich aber dagegen, einen anderen Künstler mit der Gestaltung zu beauftragen. "Ich hatte Schlingensief aus Überzeugung beauftragt und wollte einfach zeigen, was er wert ist", erzählte Gaensheimer der Nachrichtenagentur dpa. Warum sollte sie also nicht einfach sein Werk zeigen?

"Ein Projekt von Christoph Schlingensief ist ohne Christoph Schlingensief nicht zu realisieren", da ist Gaensheimer sich auch heute noch sicher. Die Gestaltung des Pavillons wurde so zur Dokumentation eines Werkes, eines Lebens, eines Künstlers. "Und selbst das war nur möglich in ganz enger Zusammenarbeit mit den vielen Menschen, die Christoph über lange Jahre begleitet haben", berichtete die Kuratorin. Besonders geholfen habe ihr dabei Schlingensiefs Witwe Aino Laberenz-Schlingensief, aber auch Leute aus Theater, Film und Kultur. Die ausgewählten Werke gäben nun "einen repräsentativen Einblick in sein vielschichtiges Oeuvre", glaubt Gaensheimer.

"Kirche der Angst"

Im Hauptraum des Pavillons ist die Bühne der "Kirche der Angst vor dem Fremden in mir" wieder aufgebaut - eine Rauminstallation, die Schlingensief für die Ruhrtriennale 2008 entworfen hatte, und die sich mit dem Thema "Leben wollen, aber Sterben müssen" auseinandersetzt. Im rechten Seitenraum wurde ein Kino eingerichtet, in dem sechs Filme aus verschiedenen Schaffensperioden des Künstlers laufen. Im linken Seitenflügel sind Schlingensiefs Pläne für ein Operndorf in Afrika zu sehen, das auch nach seinem Tod - mit Schule, Kantine, Krankenstation und Festspielgebäude - in Burkina Faso entsteht. "Ich freue mich wahnsinnig über den Preis, weil damit Schlingensief endlich auch in der internationalen Kunstszene verankert ist", sagte die Kuratorin.

Erleuchtung, Aufklärung, Intuition

Insgesamt 89 Länder-Pavillons hatten sich mit ihren Interpretationen der Wirklichkeit um den Preis für den besten nationalen Beitrag beworben, darunter Österreich mit einer labyrinthischen Arbeit von Markus Schinwald. Die alle zwei Jahre stattfindende Kunstschau in Venedig steht in diesem Jahr unter der künstlerischen Leitung der Schweizer Kunsthistorikerin Bice Curiger. Für 83 Künstler, die in den Hallen des "Arsenale" um den Goldenen Löwen streiten, gab Curiger das Motto "ILLUMInazione - ILLUMInations" aus. Gemeint ist damit auch Erleuchtung, Aufklärung, Intuition. In diesem Teil wurde der Goldene Löwe für den besten Künstler vergeben, den sich der US-Amerikaner Christian Marclay sicherte.

Der britische Beitrag von Haroon Mirza erhielt den Silbernen Löwen. Außerdem gab es einen Sonderpreis für den lettischen Pavillon und die in Berlin lebende schwedische Künstlerin Klara Liden. Zwei Goldene Löwen für das Lebenswerk gingen an die US-amerikanische Künstlerin Elaine Sturtevant, Jahrgang 1930, und den 1947 geborenen Wiener Künstler Franz West. Die Biennale öffnete am Samstag offiziell ihre Pforten für das Publikum. Noch bis zum 27. November zeigt sie in der Lagunenstadt Gegenwartskunst - vor allem in den riesigen Werkshallen des Arsenale und dem Park der Giardini. (APA/dpa)

Links:

Aufzählung Franz West
Aufzählung Biennale Venedig 2011

 

Samstag, 04. Juni 2011 13:20:00
Update: Sonntag, 05. Juni 2011 12:53:00

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