Der 1997 geschaffene Österreichische
Friedrich-Kiesler-Preis für Architektur und Kunst ist mit einer Dotierung
von 750.000 Schilling (rund 55.000 Euro) nicht nur der mit weitem Abstand
höchstdotierte österreichische Kunstpreis, er zählt auch weltweit zu den
höchsten Auszeichnungen dieser Art.
Der Preis wird von der Republik Österreich und der Stadt Wien gemeinsam
mit der 1997 gegründeten Österreichischen Friedrich und Lillian
Kiesler-Privatstiftung jedes zweite Jahr vergeben.
Internationale Jury
Der erste Preisträger wurde von einer hochrangigen internationalen Jury
- den Architektinnen und Architekturtheoretikerinnen Odile Decq (F) und
Phyllis Lambert (Can), sowie Harald Szeemann (CH) und Robert M. Wilson
(USA) - unter dem Vorsitz von Hans Hollein (A) - nominiert.
Archiv 1997 erworben
Die Österreichische Friedrich und Lillian Kiesler-Privatstiftung erwarb
1997 das Archiv des 1965 in New York verstorbenen
österreichisch-amerikanischen Architekten, Malers, Bildhauers und
Theoretikers Friedrich Kiesler.
Die Stiftung, deren Bestände ca. 2.500 Skizzen, Zeichnungen, Pläne und
Bilder, über 1.000 Fotos sowie zahlreiche Archivalien aus den 20er bis in
die 60er Jahre umfasst, sorgt für die wissenschaftliche Bearbeitung des
Materials, plant Ausstellungen und ist für die Organisation des Preises
verantwortlich.
Frank O. Gehry erster Preisträger
Als erster Künstler wurde der US-Architekt Frank O. Gehry im Jahr 1998
mit dem Kiesler-Preis ausgezeichnet. Er gilt als einer der international
bedeutendsten und einflussreichsten Architekten der Gegenwart. Mit der
Verbindung neuer Formen und der unkonventionellen Verwendung neuer
Materialien und Techniken kreierte Gehry "eine eigenständige und
unverkennbare Architektursprache, die nicht zuletzt durch besondere Bezüge
seiner Bauten zur Umgebung gekennzeichnet ist", so die
Kiesler-Privatstiftung.
In seinen Werken greift Frank O. Gehry, 1929 in Toronto (Kanada)
geboren, nicht nur auf architektonische Möglichkeiten zurück, sondern
lässt sich auch von der bildenden Kunst inspirieren, was sich in häufiger
Zusammenarbeit mit Künstlern wie Richard Serra, Claes Oldenburg und Coosje
van Bruggen manifestiert. Zu seinen wichtigsten Bauten zählen u.a. das
California Aerospace Museum in Los Angeles (1984), das Vitra Designmuseum
und die Fabrik in Weil/Rhein (1989), das Samsung Museum of Modern Art in
Seoul/Korea (1994), das American Center in Paris (1994), die Walt Disney
Concert Hall in Los Angeles (1997) und das Guggenheim Museum in Bilbao
(1997).
Kiesler-Schau 1998
Im Frühjahr 1998 fand im Historischen Museum der Stadt Wien mit großem
Erfolg die Ausstellung "Friedrich Kiesler 1890 - 1965. Das Archiv des
Visionärs" statt.
Die Schau gab einen erstmaligen Einblick in die umfassende Sammlung,
die einen einzigartigen Schlüssel zum Verständnis von Werk und Person
Friedrich Kieslers und damit eine Quelle zur kunst- und
architekturhistorischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts
darstellt.