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07.07.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung
Ausstellung: Das "M"-Wort oder Michael Krebber ist nicht zu fassen
VON ALMUTH SPIEGLER
Die Secession zeigt die erste institutionelle Einzelschau des Kölner Künstlers Michael Krebber in Österreich: "weder Fisch noch Fleisch".

Wer ist Michael Krebber, der über den Sommer hinweg den Hauptraum der Secession bespielt? Der 1954 geborene Deutsche ist hierzulande vor allem in Graz bekannt, wo er zur Stammmannschaft der Galerie Artelier gehört, was wiederum daher rührt, dass er einst zum engsten Kreis rund um Martin Kippenberger zählte, der hier zu Lebzeiten u. a. mit Wolfgang Bauer und Jörg Schlick hart am mythenumrankten machistischen Ruf der "Lord Jim Loge" arbeitete. Mythen-umrankt wirkt auch so einiges im laufenden Lebenswerk von Krebber, dem Lüpertz-Schüler, Kippenberger-Assistenten, Autor und Lehrer (Städelschule Frankfurt).

Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der "Kölner Szene", zu der auch seine Frau Cosima von Bonin oder Kai Althoff gehören. Seit den 80er Jahren arbeitet man sich hier mit Vorliebe an der mächtigen Malerei ab, stark präsent durch die deutschen Malerväter Baselitz, Lüpertz, Immendorff. Als die Leinwände damals vor Öl nur so trieften, stellte Krebber etwa (fast) leere Galerieräume aus. Erst Anfang der 90er griff er wieder zum bösen Pinsel, verwendete zuletzt sogar Leoparden-bedruckte Bettüberzüge als Unterlage für seine auf wenige Striche reduzierten Eingriffe. Das wirkt wie Kölner Hohn auf die zurzeit so gefragte neue deutsche Malergeneration der "Leipziger Schule", etwa auf Martin Eders grotesk kitschige Katzen-Bilder. Während hier nicht lange hinterfragt, sondern gemalt wird, als hätt's kein Gestern je gegeben, will Krebber das "M"-Wort am liebsten gar nicht hören. Nur logisch also, dass er in seiner Secessions-Schau die Malerei nur als technische Reproduktion im Katalog erlaubt, der archivarisch seine Produktion seit 2001 versammelt.

Was hier so komplex, kompliziert und konzeptuell klingt, löst sich in der Ausstellung überraschend sinnlich auf. Denn so klar und klassisch kriegt man es hier selten. An den Wänden großzügig gehängte, schlichte Holzrahmen, in denen Krebber immer wieder fünf Motive dreht, wendet und versetzt: das ausgedruckte Bild eines grünen "Luna"-Schmetterlings, den er im Internet gefunden hat, eine eingescannte alte Zigarettenwerbung, das schwarzweiß kopierte Cover eines Bildbands über Athen, eine Aufnahme des Uranus, eine Skyline bei Nacht. Alles Blätter mit leichten Lädierungen, Eselsohren und Falten, als hätte Krebber sie aus dem Papierkorb geholt - was durchaus auch stimmen könnte. Jedenfalls wird hier eindrücklich durchdekliniert, wie wir Bilder wahrnehmen, wie sie in verschiedenen Positionen und Proportionen verschieden wirken, welche Verhältnisse sie zu Rahmen, Passepartout und Raum eingehen können.

In Letzterem findet sich sonst nur noch eine kleine Kabine, in der ein einziges Dia projiziert wird - eine am Computer generierte rosarote Seeanemone, so schön, wie es die Natur sich nicht getraut hätte. Ein Hinweis Krebbers auf sein gerade erschienenes Künstlerbuch "Außerirdische Zwitterwesen", das wiederum auf einem Diavortrag basiert, in dem er das Phänomen Dandy - und damit auch sich selbst - umkreist (4. 9., 18h). Zwitterwesen, entschiedene Unentschlossenheit, das scheint ihn zu interessieren. So reflektiert er darüber, wie Bilder gebaut sind, über Farben und Flächen, will aber kein Maler sein. Er zeigt eine Ausstellung, in der er nur Neues zeigen wollte und in der doch nur Recyceltes zu sehen ist. "Weder Fisch noch Fleisch", sagt er. Mit der Einstellung kann man schwer etwas falsch machen. So richtig richtig aber auch nicht.

Bis 4. 9., Di.-So. 10-18h, Do. 10-20h.

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